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Newsletter Nr. 126

 März April 2020

liebe LeserInnen,

danke für Ihre Interesse an unserem Newsletter.
Der 126. Newsletter des Instituts für Kirchenbau und Kunst der Gegenwart bildet einen Überblick über   Ausstellungen und Veranstaltungen von kirchlichen und anderen Kulturorten und sammelt Meldungen aus den Bereichen Kirchenbau, Kunst, Architektur.
 
Ihre Meldungen und Hinweise für den nächsten Newsletter nehmen wir bis 15. April 2020 an.
Bitte haben Sie Verständnis, wenn später eingehende Meldungen nicht mehr berücksichtigt werden können, bzw. dann erst im folgenden Newsletter.
Mitteilungen aus dem Institut

Im Sommersemester 2020 nimmt Prof. Erne ein Forschungsfreisemester wahr.
Vom Institut wird trotzdem eine Lehrveranstaltung mit anschließender Sommerakademie angeboten:

Transzendenz und Licht. Neue Fenster für den Christuspavillon von Meinhard von Gerkan in Volkenroda
Leitung: Dorothea von Kiedrowski
Mo, 10- 12 Uhr, Raum 02001


Nach der EXPO 2000 in Hannover ist der Christus-Pavillon abgebaut und im Kloster Volkenroda wiederaufgebaut worden. Seitdem wird er regelmäßig für Gottesdienste und kulturelle Veranstaltungen genutzt.
Nach 20 Jahren bedürfen die doppelt verglasten Fenster des Kreuzganges jedoch einer Sanierung und Aktualisierung. Denn die Füllungen mit Materialien wie Holzscheiben und Tonbandkassetten, Zahnrädern und Tannenzapfen (nach dem Motto der Expo „Mensch – Natur – Technik“) sind marode und scheinen nicht mehr zeitgemäß.
Während einer Sommerakademie vom 10.-15.05.2020 in Volkenroda sind Studierende der Philipps-Universität Marburg und der Bauhaus-Universität Weimar eingeladen, in einem interdisziplinären Rahmen ein neues Gestaltungskonzept für die Glasfenster zu entwickeln.
Im Rahmen des Seminars werden wir uns vorbereitend mit folgenden Fragen auseinandersetzen:
 Wie ist der Christus-Pavillon mit der Geschichte des Klosters verbunden? Welche Funktion und Bedeutung haben Kirchenfenster? Was ist die religiöse Dimension der Begriffe Mensch, Natur, (digitale) Technik?
Die Teilnahme an der Sommerakademie ist verpflichtend. Die Kosten für Anreise, Unterkunft und Verpflegung werden übernommen. Das Seminar endet am 18.05.2020.

Kunst und Kirche Heft 1 2020 ist erschienen!



 "Kapellen - Räume individueller Andacht

Wegen ihrer architektonischen Qualität sorgen Kapellenbauten für Aufmerksamkeit, allen voran Peter Zumthors Bruder-Klaus Kapelle in Wachendorf. Sie ist eine Essenz spirituellen Bauens und an ihrem Erfolg zeigt sich, dass heute nicht das Monumentale, sondern das komprimierte und konzentrierte Format für das Sakrale als adäquater Ausdruck empfunden wird. ArchitektInnen können, mit nur wenigen funktionalen Vorgaben belastet, in künstlerischer Freiheit einen Raum mit einer dichten Atmosphäre schaffen. Häufig entstehen die neuen Kapellen auf private Initiative hin. Für StifterInnen verbindet eine Kapelle Repräsentanz und privates Glaubensanliegen auf individuell gestaltbare Weise. 

Redakteurinnen: Claudia Breinl und Birgit Weindl
Ausstellungen / Veranstaltungen

 
Tagung „Gott raus – Kunst rein? Zum Verhältnis von Kunst und Kirche in der Gegenwart
Ev. Akademie Hofgeismar mit Artheon, Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche, 24. – 26. April 2020

Ersetzt Kunst die Religion? Heißt es nun: „Gott raus, Kunst rein“? wie es Hanno Rauterberg in der ZEIT – bezogen auf das Foucaultsche Pendel von Gerhard Richter in der Dominikanerkirche Münster – ironisch formuliert hat? Oder gibt es theologische Gründe, die Kunst in die Kirchen einzuladen und ebenso ästhetische Gründe, sich mit den Atmosphären des Religiösen und seinen Räumen auseinanderzusetzen? Referenten sind u.a. Prof. em. Dr. Beat Wyss, die Künstlerin Madeleine Dietz, Prof. Dr. Josef Meyer zu Schlochtern, Jun.-Prof. Dr. Amalia Barboza, u.a.


Tagung "Kirchenumnutzung - neue Perspektiven im europäischen Vergleich"
Schloss Herrenhausen Hannover, 23. - 25. März 2020

Infolge der aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen können heute in Europa viele Kirchengebäude von den kirchlichen Institutionen nicht mehr betrieben und unterhalten werden. Sie werden verkauft, vermietet, umgenutzt. ExpertInnen aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz und Großbritannien treffen sich bei dieser Tagung, um das Thema Kirchenumnutzung im europäischen Vergleich zu diskutieren und daraus neue Perspektiven zu entwickeln. Die länderspezifischen Unterschiede in rechtlicher und finanzieller Hinsicht haben jeweils unterschiedliche Praktiken der Kirchenumnutzung entstehen lassen. Das Zielpublikum sind Verantwortliche aus Kirche, Denkmalpflege und Politik, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Angehörige von Bildungsinstitutionen sowie alle an der Thematik Interessierten. www.volkswagenstiftung.de/veranstaltungen/veranstaltungskalender/herrenhäuser-symposien/kirchenumnutzung

 

BÖHM 100. Der Beton-Dom von Neviges
DAM Frankfurt, 18. Januar – 26. April 2020

Anlässlich von Gottfried Böhms 100. Geburtstag ehrt ihn das DAM mit einer konzentrierten Ausstellung, die der Wallfahrtskirche in Neviges gewidmet ist. Zwischen 1963 und 1968 entstand der Beton-Dom. Gegenwärtig wird das gefaltete Dach mit einer innovativen Textilbetonschicht saniert. 2005 und 2006 fanden im Deutschen Architekturmuseum große Ausstellungen zum Werk von Gottfried Böhm und seinem Vater Dominikus Böhm statt. Nun werden neue Archivfunde aus der Entstehungszeit der Wallfahrtskirche präsentiert und mit einem Ausblick auf die Zukunft verbunden. Ein umfangreiches Vortragsprogramm führt, unter anderem, die drei als Architekten tätigen Söhne Böhms zusammen, gibt Einblicke in die Technik der Betoninstandsetzung und bringt auch den Film „Die Böhms – Architektur einer Familie“ wieder nach Frankfurt. Weitere Veranstaltungen zum 100. Geburtstag von Gottfried Böhm unter www.boehm100.de
 
Lichtung Leipzig – Glasmalerei der Gegenwart
 Kirchenamt der EKD Hannover, 20. Januar – 24. April 2020

Gezeigt werden Entwürfe und Probefenster moderner Glaskunst, die in den vergangenen Jahren für Dorfkirchen in der Evangelischen Landeskirche Anhalts gestaltet wurden. Zu sehen sind Arbeiten von Undine Bandelin, Bastian Muhr, Sebastian Pless, Julian Plodek, David Schnell und Robin Zöffzig. David Schnell hat jüngst raumprägende Fensterensembles für den Naumburger Dom und die Christuskirche Köln geschaffen, Julian Plodek für die gotische Dorfkirche im thüringischen Walldorf. Die Ausstellung ist ein Beitrag der Evangelischen Landeskirche Anhalts. Sie wurde realisiert im Kontext des landeskirchlichen Kunstprojektes „Lichtungen. Moderne Glasmalerei in historischen Kirchen zwischen Harz und Fläming“, in das mittlerweile über 20 Kirchen aufgenommen wurden. Die Ausstellung  wird danach in der Christuskirche in Köln  gezeigt. (Abb.Sebastian Pless, Chorfenster, Kirche in Mühro bei Zerbst)
Himmelsrichtungen
Kulturkirche St. Stephani Bremen, 13.März - 14. April 2020

Die Künstlerin Monika Fioreschy (geb. 1947. Lebt in Salzburg) experimentiert mit ungewöhnlichen Materialien, um neue Ausdrucksmöglichkeiten für die uralte Webkunst zu finden. Bei der Beobachtung einer Herzoperation wurde sie auf die Bluttransfusionsschläuche aus Silikon aufmerksam, die sie seither für ihre Arbeiten einsetzt. Mit dem Materialwechsel gelingt Fioreschy ein Transfer in eine völlig andere Welt, der die herkömmliche Bildweberei aus einer radikal neuen Perspektive zeigt. Die Künstlerin entwickelte die Kunstform des »Transfusionsbildes« und der »Silikone«. Beim Transfusionsbild spritzt sie mit einer Injektionsnadel Farbe, Blut, Pflanzensaft in die gewebte Struktur. Damit tritt Fioreschy aus der Textilkunst heraus und lädt das Webbild mit zusätzlichen Inhalten auf. Das Verständnis des modernen Bildteppichs wird durch sie revolutioniert. In einer Einzelausstellung zeigt die Kulturkirche Transfusionsbilder, Silikone und Strip-Cut-Collagen der Künstlerin. (Abb. Monika Fioreschy)
 
Stefan Rohrer
KUNST-RAUM-AKADEMIE Tagungshaus Weingarten, 9. Februar – 17. Mai 2020

Stefan  Rohrer  war  stets  von  Autos  begeistert  und  wollte  ursprünglich  Autobauer oder -Designer werden. Als Künstler konnte er diesem Wunsch durch ganz eigene Formerfindungen noch stärker Ausdruck verleihen. Trotzdem bezeichnet Rohrer sein Verhältnis zum Fahrzeug als ambivalent. Wie  das  Kreuz   Marterwerkzeug  kann  auch  das  Auto  zur  tödlichen  Waffe  werden.  Stefan Rohrer  stilisiert  in  einigen  seiner  Arbeiten  Kreuzungen  –  eine  Verehrung  des  ›Heilix Blechle‹. (Abb. www.stefanrohrer.de/stern-1)
 
An der Grenze zum Schatten. Ausstellung mit Werken von Dorothea Reese-Heim
Kath. Akademie Kardinal Wendel Haus, München, 5. Februar-17. Juli 2020

Raumgreifende Objekte kennzeichnen eine wesentliche Phase des künstlerischen Schaffens von Dorothea Reese-Heim. Die Kombination von Metallgewebe und verschiedenen Papieren ist einzigartig in ihrem Werk. In beeindruckender Weise bringt sie in ihren Objekten diese beiden Materialien in einer ungewöhnlichen Symbiose zu einem Einklang. Darüber hinaus ist sie aber auch dem Papier verpflichtet, das sie in facettenreicher Vielfalt einsetzt. (Abb. Versiegelte Schriften Legende Fußnote N, 2019, Paraffin, Papier, grünes Pigment, 24 x 18 x 3 cm)
Milko Pavlov – Facies. Passionsausstellung
Stiftung St. Matthäus Berlin, 27. Februar – 11.April 2020

Im Rahmen des Ökumenischen Aschermittwochs der Künstler am 26. Februar 2020 wird die Ausstellung des bulgarischen Künstlers Milko Pavlov in der Kirche St. Matthäus eröffnet.  Großformatige Frottagen aus Graphit und Wachskreide bilden abstrakte Abdrücke, die ein Gesicht allenfalls erahnen lassen. Was ist Realität? Was ist Projektion? Denn Milko Pavlovs Bilder kommen aus der Zukunft. Datiert im späten 21. und frühen 22. Jahrhundert, existieren sie streng genommen noch nicht – eine Rettungsmaßnahme, sagt Milko Pavlov, in der Hoffnung, dass es unsere vielfach gebeutelte Welt dann noch geben wird. (Abb. Milko Pavlov, 2113, Graphit und Wachs auf Leinwand; 260 x 200 cm)
‚Wieder und Wieder. Ritual, Kontemplation, Obsession‘
Dt. Gesellschaft für christliche Kunst, 16. Januar - 21. März 2020

In der Gruppenausstellung geht es um Wiederholungen, um künstlerische Tätigkeiten, die in den Alltag der Ausübenden, meist nach einem genau ausgeklügelten Stundenplan, fest integriert wurden. Die meisten Werke werden in kleinen unterschiedlichen Raumskulpturen präsentiert, die jeweils nur von ein bis zwei Besuchern betreten werden dürfen. Rituale können zum Symbol einer Gemeinschaft werden. Sie machen aus der Welt einen verlässlichen Ort. Die ausgewählten vier Videoarbeiten der Ausstellung verhandeln das Thema des Rituals und der Kontemplation sowie ihrer Bedeutung für unser Leben. In einer Videobox wird an jedem Wochentag ein jeweils anderer Film gezeigt. Der Stuttgarter Fotokünstler Peter Granser verschmilzt in seinem Projekt Zwischen/Raum Klang, Fotografie und Architektur in einem  hölzernen Raum. Öffnungen in der Außenhaut ermöglichen Ausblicke auf Fotografien, die in fremde Welten führen. An verschiedenen Tagen führt Peter Granser Teezeremonien durch, die den Raum in ein kleines japanisches Teehaus verwandeln. (Abb. Zeitgenössische Teezeremonie mit Peter Granser)
Van Eyck. Eine optische Revolution
Museum für Schöne Künste Gent, 1. Februar – 30. April 2020

Von van Eyck sind weltweit nur etwa zwanzig Werke erhalten. Es gilt als seltene Ausnahme, dass jetzt mehr als die Hälfte dieser Werke nach Gent kommt.  Zur Konkretisierung der optischen Revolution von Van Eyck werden seine Gemälde neben den Werken seiner begabtesten Zeitgenossen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien gezeigt. Jan van Eyck (ca. 1390-1441) war Hofmaler Philipps des Guten (1396-1467), Herzog von Burgund. Der extravagante Herzog und seine Gesellschaft umgaben sich mit den besten Künstlern. Gleichzeitig florierten die flämischen Handelsstädte Gent und Brügge. Reiche Kaufleute und Politiker nahmen sich den Glanz des Hofes zum Vorbild und umgaben sich mit edlen Produkten. Das war das kreative Umfeld Jan van Eycks, zwischen Hof und Stadt, zwischen Kunst und Handwerk. Mit seiner unvergleichlichen Technik und Beobachtungsgabe schuf van Eyck in der Ölmalerei eine bis dahin unbekannte neue Qualität und war richtungsweisend für die Malerei. Sein Meisterwerk ist die „Anbetung des Lamm Gottes“ (St.-Bavo-Kathedrale in Gent), ein Auftragswerk des Genter Schöffen Joos Vijd, das er nach dem Tod seines Bruders Hubert van Eyck im Jahr 1432 zu Ende führte. Zentrales Thema der Ausstellung ist die vom Königlichen Institut für das Kunsterbe durchgeführte Restaurierung der Außentafeln „Der Anbetung des Lamm Gottes“. In direkter Zwiesprache mit anderen Kunstwerken von Van Eyck können die Besucher das Ergebnis der restaurierten Außentafeln aus nächster Nähe betrachten. (Abb. Jan-van-Eyck-Jahr in Gent mit einer Licht- und Klang-Installation in der St. Nikolaus-Kirche )
 
Angelika Kauffmann (1741-1807). Künstlerin, Powerfrau, Influencerin
Kunstpalast Düsseldorf, 30. Januar – 24. Mai 2020

Die laut J. G. Herder „vielleicht kultivierteste Frau in Europa“ war eine weltoffene Künstlerin des Klassizismus von europäischem Rang. Bewundert für ihr künstlerisches Talent, ihre umfassende Bildung und ihren vorbildlichen Charakter, durchlief Kauffmann eine für Frauen damals beispiellose Karriere. Sie trat mit bemerkenswerten Frühwerken in Erscheinung, ließ sich in Italien ausbilden und kam in London als Historien- und Bildnismalerin zu Ruhm und Reichtum. Schließlich eröffnete die kluge, sehr gut vernetzte Geschäftsfrau in Rom eines der bestbesuchten Ateliers ihrer Zeit. Unter den etwa 100 Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen werden etliche erstmals öffentlich gezeigt. Auch Druckgrafik und Kunsthandwerk nach Motiven Kauffmanns lassen ihre Zeit aufleben. (Abb. Angelika Kauffmann, Selbstbildnis mit der Büste der Minerva, um 1784, Öl auf Leinwand, 93 x 76,5 cm, Bündner Kunstmuseum, Chur, Depositum der Gottfried Keller-Stiftung, Bundesamt für Kultur, Bern, ©/ Foto: Bündner Kunstmuseum, Chur)
 
Bunte Götter – Golden Edition. DIE FARBEN DER ANTIKE
Liebieg-Haus Frankfurt, 30. Januar – 30. August 2020

Die Ausstellung zeigt über 100 Objekte aus internationalen Museumssammlungen und dem Bestand des Liebieghauses, darunter 60 Rekonstruktionen aus den letzten Jahren, aber auch einige aus dem 19. Jahrhundert, sowie 22 Grafiken. Seitdem die Ausstellung „BUNTE GÖTTER“ 2008 erstmals in Frankfurt zu sehen war, hat sich die Anzahl der von dem Forschungsteam erarbeiteten Rekonstruktionen verdoppelt und neue Aspekte wie etwa die Farbigkeit antiker Bronzen sind hinzugekommen.
 
TRAUERN. Von Verlust und Veränderung
Hamburger Kunsthalle, 7. Februar - 14. Juni 2020

Rund 30 internationale KünstlerInnen der Gegenwart beschäftigen sich in der groß angelegten Ausstellung mit dem Thema Verlust. Die unterschiedlichen künstlerischen Positionen zeigen, welche Bedeutung überlieferten Pathosformeln zukommt und was der Umgang mit Trauer über unsere Gegenwart zu erzählen vermag.  Die Vielschichtigkeit des Themas wird anhand von Kapiteln wie »Melancholie und Trauer«, »Trauer und Geschlecht«, »Kollektive Trauer«, »Trauer und Protest«, »Formen des Abschieds«, »Die Unfähigkeit zu trauern« veranschaulicht. Speziell für die Ausstellung entstandene Werke und Exponate aus den Ateliers der Künstler*innen werden um Leihgaben internationaler Museen und Privatsammlungen ergänzt. Die Ausstellung umfasst Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Videos, Dia- und Klanginstallationen. (Abb. Anne Collier,  2019, Woman Crying, C-Print, 126 x 150 cm, Courtesy of the artist; Anton Kern Gallery, New York; Galerie Neu, Berlin; Gladstone Gallery, Brussels; and The Modern Institute / Toby Webster Ltd., Glasgow, © Anne Collier)
Monet. Orte
Museum  Barberini Potsdam, 22. Februar - 1. Juni 2020

Zwei übergeordnete Aspekte stehen im Zentrum des Projekts: zum einen Monets Auseinandersetzung mit dem jahrhundertealten Konzept des genius loci, also der Aura, die einem bestimmten Ort innewohnt; und zum anderen die situative Erforschung seiner Motive, die Monet ausnahmslos topographisch präzise umsetzte. Beide Anliegen waren eng mit seiner Hinwendung zur Freilichtmalerei verbunden, der er sich nicht wie damals üblich nur für vorbereitende Ölskizzen verschrieb, sondern auch für eigenständige Gemälde. Spiegelt sich in seinem Wunsch nach einer subtilen Erfassung atmosphärischer Gegebenheiten der positivistische Geist des 19. Jahrhunderts, so vermittelt er in seinen Bildwerken doch stets seine subjektive Empfindung – was Monet mit dem Begriff der sensation bezeichnete. Die mehr als 100 Exponate werden in einer thematisch nach Orten gegliederten Raumfolge präsentiert. Den End- und in mancherlei Hinsicht auch Höhepunkt der Retrospektive im Museum Barberini bildet ein Raum, der ganz Monets Garten in Giverny gewidmet ist. In seinen ikonischen Seerosenbildern, aber auch in seinen Darstellungen der Japanischen Brücke, bahnt sich ein freies Spiel von Farbe und Form den Weg, das ihn zu einem der wichtigsten Wegbereiter der abstrakten Malerei im frühen 20. Jahrhundert werden ließ. (Abb. Claude Monet, Seerosen, 1914-17, Privatsammlung)
 
Jiří Tichý
Lehmbruck Museum Duisburg, 29. Februar - 26. Juli 2020

Jiří Tichýs gewebte Fantasien sind bildgewaltig und überwältigend in ihrer Monumentalität. Der tschechische Künstler hat seine Werke nicht am Stück gewebt, sondern in verschiedenen Partien, die er schließlich zusammenfügte. Dafür arbeitete er an einem eigens konstruierten Hochwebstuhl manchmal Monate, manchmal Jahre lang an einem einzelnen Werk. Die Resultate sind nicht Tapisserien im herkömmlichen Sinne, denn sie geben Flächigkeit und Rechtwinkligkeit auf. Oft sind sie kaum mehr als ein loser Zusammenhang eines Gewebes, von Lücken und Löchern durchsetzt, mit eingearbeiteten Fundstücken versehen. Sie formen sich zu spielerischen Konturen mit reliefhaften, plastischen Oberflächen. (Abb. Jiří Tichý, Babylonisch genanntes Konzert,1995, (c) Nachlass Tichý, Foto: Jürgen Diemer)

 
Michael Sandle - Skulpturen
Skulpturenpark Waldfrieden Wuppertal, 8. Februar - 1. Juni 2020

Sandle ist seit Langem fasziniert von der Symbolkraft bekannter und anonymer menschlicher Körper, die ebenso individuelle Subjektivität wie auch gemeinsame universelle Erfahrungen angesichts von kriegerischen Auseinandersetzungen vermitteln können. Die Ausstellung bietet einen repräsentativen Überblick über mehr als drei Jahrzehnte seines bildhauerischen Schaffens. In vielen Werken finden sich maskierte und verhüllte Gestalten. So stellt die behelmte Figur in "As Ye Sow So Shall Ye Reap: An Allegory" Jesus dar, dessen Gesichtszüge auf dem Gemälde "The Light of the World" (1851–1853) von William Holman Hunt beruhen.
 
herman de vries. how green is the grass?
Georg-Kolbe-Museum Berlin, 27. Januar - 3. Mai 2020

Die retrospektiv angelegte Ausstellung im Georg Kolbe Museum in Kooperation mit dem Umweltbundesamt vereint zentrale Werke aus den vergangenen 50 Schaffensjahren des deutsch-niederländischen Künstlers. Die Natur als Erfahrung und zugleich als primäre Wirklichkeit ist eine Grundkonstante im Werk von herman de vries. Sammlungen von farbigen Erden, kleinen Rasenstücken oder knorrigen Hölzern gehören ebenso zu seinem Werk wie minimalistische Gemälde, sparsame Grafiken, Materialcollagen, Textsammlungen und Installationen für den öffentlichen Raum. (Abb. Porträt herman de vries, Foto: Joana Schwender)
 
Katharina Sieverding - Unwiderstehliche historische Strömung
Galerie DZ Bank Frankfurt, 14. Februar – 16. Juni 2020

Die 75-jährige renommierte Fotokünstlerin befasse sich mit den großen Themen und Konflikten unserer Zeit wie der Genderfrage oder der Flüchtlingspolitik. Sieverding hat das Medium der Fotografie in nahezu all seinen Facetten und Ausdrucksmöglichkeiten erforscht. Bekannt wurde sie durch großformatige Selbstporträts, die sie vielfältig bearbeitet. Ihr Schaffen ist als permanente Selbstbefragung zum politischen und gesellschaftlichen Weltgeschehen zu verstehen. In der Ausstellung sind zwölf großformatige Fotoarbeiten sowie eine Videoarbeit zu sehen. Sieverding nahm mehrmals an der Biennale in Venedig und der documenta in Kassel teil. (Abb. Katharina Sieverding, Film-Still: DIE SONNE UM MITTERNACHT SCHAUEN SDO / NASA (BLUE), 2010 – 2015Fine Art Print, Acryl, Pigmenttintenstrahldruck, 300 x 375 cm)
 
Kleine Geschichte(n) der Fotografie 2. Eine Ausstellung in mehreren Kapiteln
Sprengel Museum Hannover, 19. Februar -  24. Mai 2020

Die auf mehrere Teile projektierte Ausstellungsreihe des Sprengel Museums stellt entscheidende Motive in der neueren Geschichte der Fotografie im Kontext der Kunst vor. Nach dem Auftakt der Reihe 2018 geht es nun um eine Gegenüberstellung von Fotografien, die zusammengenommen ein Glossar zentraler Begriffe der Fotografie-Geschichte vor Augen führen. Dieses Glossar suggeriert eine Systematik, die jedoch betontermaßen unvollständig bleibt. Klassische Themen des Mediums wie „Dinge“, „Farbe“ oder „Serie“ spielen ebenso eine Rolle wie weniger erwartbare Begriffe, etwa „Leerstellen“ oder „Installative Fotografie“. Gezeigt werden Arbeiten von u. a. John Baldessari, Lewis Baltz, Thomas Demand, William Eggleston, Annette Kelm, Jan Groover, Barbara Probst, Shirana Shahbazi, Stephen Shore, Hiroshi Sugimoto. Das 2018 begonnene und unter www.kleinefotogeschichten.de  einsehbare Glossar wird fortgeschrieben. (Abb. Barbara Probst, Exposure #32: N.Y.C., 249 W. 34th Street, 01.02.05, 5:04 p.m., 2005, Inkjet print, 3-teilig, jeweils 168 x 112 cm, Galerie Kuckei + Kuckei, Berlin, Courtesy Galerie Kuckei + Kuckei, Berlin, © VG Bild-Kunst Bonn, 2020)
 
FANTASTISCHE FRAUEN. SURREALE WELTEN VON MERET OPPENHEIM BIS FRIDA KAHLO
Schirn Kunsthalle Frankfurt, 13. FEBRUAR 2020 – 24. MAI 2020

Die Ausstellung zeigt den weiblichen Beitrag zum Surrealismus. Sie konzentriert sich auf Künstlerinnen, die direkt mit der Anfang der 1920er-Jahre in Paris gegründeten surrealistischen Bewegung verbunden waren. Mit rund 260Gemäl­den, Papierarbeten, Skulpturen, Fotografien und Filmen von 34 internationalen Künstlerinnen bildet die Ausstel­lung ein vielfältiges stilistisches und inhaltliches Spektrum ab. Neben bekannten Künstlerinnen wie Louise Bourgeois, Claude Cahun, Leonora Carrington, Frida Kahlo, Meret Oppenheim, Dorothea Tanning oder Toyen sind zahlreiche unbekannte Persönlichkeiten wie Alice Rahon oder Kay Sage zu entdecken. (Abb. Frida Kahlo, Selbstbildnis mit Dornenhalsband, 1940, Öl auf Leinwand, Collection of Harry Ransom Center, The University of Texas at Austin, Nickolas Muray Collection of Modern Mexican Art © Banco de México Diego Rivera Frida Kahlo Museums Trust/VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Schirn)
Ida Kerkovius. Die ganze Welt ist Farbe.
Staatsgalerie Stuttgart, 20. März - 19. Juli 2020

Zwischen 1920 und 1923 studierte die Künstlerin in den Wintersemestern am Bauhaus in Weimar, wo sie besonders die Lehren von Wassily Kandinsky und Paul Klee inspirierten. Trotz der verschiedenen Einflüsse betonte sie immer, dass sie nicht nur einem Stil folge. Die Weigerung, sich einem verbindlichen Stil unterzuordnen ermöglichte ihr, immer wieder neu mit den bildnerischen Mitteln und der Farbe umzugehen. Sie entwickelte, gerade in ihren Pastellarbeiten, eine eigenständige emotionale, farbenprächtige Bildsprache, die den Betrachter auf einer sinnlichen Wahrnehmungsebene mit einbezieht.  (Abb. Ida Kerkovius, Pastell II auf Grün, 1960, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, © Kerkovius Archiv Wendelstein)
 
Cosima von Bonin / Claus Richter. THING 1 + THING 2
Kunsthalle Nürnberg, 15. Februar - 17. Mai 2020

Mit Cosima von Bonin (*1962 in Mombasa, Kenia) und Claus Richter (*1971 in Lippstadt) sind zwei eng befreundete Künstler eingeladen, zusammen eine Ausstellung für die frisch sanierten Räume der Kunsthalle Nürnberg zu entwickeln. Gerade Cosima von Bonin verfolgt seit Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn Ende der 1980er-Jahre eine Strategie der kollektiven, in Netzwerken organisierten Kunstproduktion. Bewusst verschleiert sie eine dezidierte Autorenschaft, um in einem Ensemble aus Kulturproduzent*innen etwas zu entwickeln, was der Autor und Theoretiker Diedrich Diederichsen einmal als „Cliquenkunstwerk“ bezeichnet hat. Skulptur, Wandbild, Fotografie, Film, Performance, Musikprojekte und bühnenhaft inszenierte Installationen: Die Arbeitsweise von Cosima von Bonin ist gattungsübergreifend. Ihr Werk ist durch ein komplexes Referenzsystem auf andere Künstler*innen, Mode, Musik und handwerkliche Traditionen geprägt. Claus Richter arbeitet als konzeptueller Bildhauer an der Schnittstelle von Fantasie und Wirklichkeit, Imagination und Wissen. Seine Installationen, Skulpturen, Zeichnungen und Performances thematisieren die Unterhaltungskultur der Gesellschaft und den omnipräsenten Wunsch nach einer Welt „Larger than Life“. Im Ausstellungskontext entstehen teils aufwendige Kulissenlandschaften, in denen der Künstler jedoch nicht die perfekte Kopie einer Broadway-, Hollywood- oder Disneyland-Ästhetik inszeniert, sondern das offensichtlich Gebastelte und Geklebte, Gesägte und Angepinselte feiert. Gemeinsam ist Cosima von Bonin und Claus Richter die Fähigkeit poetische Parallelwelten zu erschaffen. Ihre vielfältigen Protagonisten dienen als Stellvertreter für menschliche Emotionen, Ängste und Konflikte. (Abb. Links: Claus Richter: Rock Bottom 01, 2018, Holz, Stoff, Kunstleder, Metall, Karton, 190 x 140 cm Rechts: Cosima von Bonin: FREAKS (SHARK WITH HIS ROCKET), 2018, Kunststoff, Stoff, Holz, Karton, 116,8 x 68,6 cm, ©Privatsammlung)
 
Innenleben. Njideka Akunyili Crosby, Leonor Antunes, Henrike Naumann, Adriana Varejão
Haus der Kunst München, 29. November 2019 – 29. März 2020

Ausgehend vom kunsthistorischen Sujet der Interieurmalerei versammelt die Ausstellung mit Njideka Akunyili Crosby, Leonor Antunes, Henrike Naumann, Adriana Varejão vier Künstlerinnen, die in ihrem Werk dem Verhältnis von Innen und Außen nachspüren. Inspiriert von der klassischen malerischen Darstellung von Innenräumen, (Wohn-)Zimmern, häuslichen oder repräsentativen Räumlichkeiten, dient der Innenraum allen vier Künstlerinnen als Ausgangspunkt, um Nuancen der äußeren Welt aufzunehmen und das Innen in Relation zu einem komplexen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Außen zu setzen.  Ob als imaginäres oder reales Setting, als Metapher oder konkreter Schauplatz intimer sozialer Handlungen – der Innenraum tritt dabei in seinem Potential zu Tage, den Zeitgeist zu reflektieren. Die Künstlerinnen sind international etabliert und ihre Werke hochaktuell. (Abb. Ausstellungskatalog)
Home Stories. 100 Jahre, 20 visionäre Interieurs
Vitra Design Museum Weil am Rhein, 8. Februar– 23. August 2020

Die Ausstellung  präsentiert entscheidende Wegmarken der Entwicklung und zeigt, dass die Leitfrage Wie wohnen? heute noch genauso aktuell ist wie vor 100 Jahren. Im Zentrum stehen die großen Zäsuren, die das Design und die Nutzung des westlichen Interieurs geprägt haben – von aktuellen Themen wie knapper werdendem Wohnraum und dem Verschwinden der Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben über die Entdeckung der Loftwohnung in den 1970er Jahren, aber auch dem Siegeszug einer ungezwungeneren Wohnkultur in den 1960ern und dem Einzug moderner Haushaltsgeräte in den 1950ern bis hin zu den ersten offenen Grundrissen der 1920er Jahre. Die Ausstellung beginnt mit zeitgenössischen Interieurs, die das gegenwärtige drastische Umdenken im Wohnbereich skizzieren. Der zweite Teil widmet sich den radikalen Traditionsbrüchen im Interior Design von den 1960er bis zu den 1980er Jahren. Eine entscheidende Phase in der Entstehung des modernen Interieurs war die unmittelbare Nachkriegszeit, als die moderne Formensprache der Avantgarde den Weg in immer mehr Wohnungen der westlichen Welt fand. Anders als heute standen Wohnfragen im Zentrum lebhafter, oft politischer Debatten. (Abb.  Verner Panton, Fantasy Landscape im Rahmen der Ausstellung Visiona 2, Köln, Deutschland, 1970 © Verner Panton Design AG, Basel)
 
Der montierte Mensch
Museum Folkwang Essen, 8. November 2019 – 15. März 2020

Die Ausstellung richtet den Blick auf das Verhältnis zwischen Mensch und Technik der letzten 120 Jahren: Auf welche Weise haben Künstlerinnen und Künstler in ihren Bildwelten Mensch und Maschine vereint? Die Schau spannt einen großen zeitlichen und medialen Bogen: sie zeigt Kunst als Spiegel der Industrialisierung, Technisierung und Digitalisierung. Bedeutende Werke der Malerei, Skulptur und Grafik, frühe fotografische Experimente, Installationen, Filme und Arbeiten der Post-Internet-Generation fügen sich zu einem kulturhistorischen Überblick. Es werden mehr als 200 Werke von über 100 Künstlerinnen und Künstlern gezeigt, die sich seit dem Beginn des Maschinenzeitalters bis in die Gegenwart mit den Auswirkungen von Industrialisierung, Mechanisierung, Kybernetik, Robotik und Künstlicher Intelligenz auf Mensch und Gesellschaft auseinandergesetzt haben. (Abb. Bettina von Arnim, Maschinist, 1969, Privatsammlung Frankfurt am Main,© VG Bild-Kunst, Bonn 2019)
 
juul kraijer. Zweiheit
Sinclair Haus Bad Homburg, 1. März – 1. Juni 2020

Juul Kraijer wurde 1970 in Assen, Niederlande, geboren und studierte von 1989 bis 1994 Malerei an der ‚Academie voor Beeldende Kunsten‘ Rotterdam. Ihr künstlerisches Schaffen drehte sich von Beginn an um das Medium der Zeichnung. In ihren teils monumentalen Körperzeichnungen mit Kohle auf Papier stellt die Künstlerin vor allem weibliche Figuren dar, die aus jeglichen kulturellen, zeitlichen und räumlichen Kontexten herausgerissen sind. So löst sich der Körper mal in einen Fischschwarm auf oder er verschmilzt mit knorrigen Ästen, ein anderes Mal ist er gespiegelt, gedoppelt und dabei beobachtet er sich selbst. der Körper als sichtbares Medium für die Visualisierung der unsichtbaren menschlichen Wirklichkeit, eines Gefühls beispielsweise oder eines geistigen Zustandes. Die menschliche Dualität von Innen und Außen, von Körper und Geist, von Einheit und Zweiheit wird aufgelöst. Für ihre Motivfindung schöpft die Künstlerin immer wieder aus dem Kanon der westlichen Kunstgeschichte. Die Motive ihrer Zeichnungen hat Juul Kraijer in den letzten Jahren zunehmend in die Techniken der Fotografie und des Videos überführt. (Abb. Juul Kraijer, Untitled, 2016, © Juul Kraijer)
 
Mika Rottenberg
Sprengel Museum Hannover, 8. Februar – 10. Mai 2020

Die Künstlerin schafft mit ihren Filminstallationen und Skulpturen Parallelwelten, die in der Gleichzeitigkeit von dokumentarischen und fiktiven, oft an den Slapstick reichenden Szenen durchaus an die Lebenswirklichkeit heranreichen. In Sprüngen zwischen Makro- und Mikrokosmos wird die Physis der Welt, Bilder von der sibirischen Hochebene mit traditionellen, in Trachten gekleideten Sängerinnen, dem leistungstärksten Teilchenbeschleuniger der Welt bei Genf sowie einem Kartoffelfeld im mittleren Westen der USA verschränkt und in einer selbst gebauten kaleidoskopartigen Bildertrommel durchgemischt. Im Wechsel von Kehlkopfgesang, bei dem der Körper Resonanzraum des Klangs in der Landschaft ist, zu physikalischen Laboranordnungen und kuriosen Details erfindet Rottenberg einmal mehr einen ebenso verzerrten wie unterhaltsamen Bilderkosmos. Weiterhin wird in der Ausstellung neben kleineren skulpturalen Arbeiten und Videos der für die Skulptur Projekte Münster produzierte Film „Cosmic Generator“ (2017) gezeigt.
 
Kristina Buch. You can’t walk unless the word runs
Gesellschaft für aktuelle Kunst Bremen, 1. Februar – 19. April 2020

Die Praxis der Glossolalie, das „Reden in Zungen“, ist mit gängigen Vorstellungen von Religion verknüpft, spiegelt jedoch das genaue Gegenteil religiöser Praxis wider. Während Religion in festen Ritualen verwirklicht wird und von institutionellen Ängsten vor Kontrollverlust geleitet ist, durchbricht die Glossolalie diese vermeintlich sichere Choreografie und galoppiert frei und ungezügelt davon. Die Zunge beginnt, unabhängig von ihren Besitzer*innen zu sprechen, und spricht die Sprache des unverfälschten Geistes. Eine Installation von acht Zungenfahnen aus Jacquardgewebe hängt von der Decke herab und leckt die noch vorhandenen Assoziationen der Betrachter*innen auf.  Kristina Buch studierte Biologie (MSc) und Evangelische Theologie, bevor sie ihr Studium der Bildenden Kunst am Royal College of Art (MA), London, und an der Kunstakademie Düsseldorf (bei Rosemarie Trockel) absolvierte. (Abb.  Kristina Buch: Die Anzahlung. Hast du das vergessen? Hast du sie verloren? (keine Rechnungen), 2020. Foto: Simon Vogel, Köln)
Clara Mosch und Ralf-Rainer Wasse. Aktion und Fotografie
Kunstsammlungen Chemnitz, 23. Februar – 17. Mai 2020

Die Aktionen der Karl-Marx-Städter Künstlergruppe Clara Mosch sind im Wesentlichen durch die Fotografien Ralf-Rainer Wasses überliefert. Die zwischen 1975 und 1986 entstandenen Fotografien, die Wasse auch für das Ministerium für Staatssicherheit anfertigte und die den Schwerpunkt der Ausstellung bilden, dokumentieren die eigentlich ephemeren Aktionen der Gruppe. Sie belegen die künstlerische Selbstinszenierung der Mitglieder von Clara Mosch – Carlfriedrich Claus, Thomas Ranft, Dagmar Ranft-Schinke, Michael Morgner und Gregor-Torsten Schade (seit 1980 Kozik) – zwischen Eigensinn und performativen Kunstformen und reflektieren zugleich Wasses ästhetische Ansprüche als Fotograf. In diesem Spannungsverhältnis beleuchtet die Ausstellung die Aktionen der Gruppe als eines der wichtigsten Beispiele alternativen Kunstschaffens in der DDR, das unabhängig von staatlicher Kunstdoktrin realisiert wurde. (Abb. Thomas Ranft, Gregor-Torsten Schade, Ralf-Rainer Wasse, Kreuz auf der Müllhalde, 1975)
 
Navid Nuur. Hocus Focus
Marta Herford, 26. Januar – 26. April 2020

Navid Nuur (*1976 in Teheran, lebt in Den Haag) setzt sich in seinem Werk mit grundsätzlichen Fragen der Wahrnehmung auseinander. So lässt er Unsichtbares sichtbar werden und schärft das Bewusstsein für die kleinen, unscheinbaren Dinge und Prozesse in der Welt. Seine Malereien, Skulpturen, Videos, Fotografien, Textarbeiten und Installationen können als humorvoller und zugleich nachdenklich stimmender Kommentar und Spiegel der Realität erfahren werden mit augenzwinkerndem Spielgeist und philosophischer Gewandtheit. Diese umfangreiche Präsentation des Künstlers wurde in Auseinandersetzung mit und für das Marta Herford entwickelt und umfasst mehrere Neuproduktionen. (Abb. Navid Nuur, These are the days, 2004-2010, Courtesy Navid Nuur, Plan B, Cluj/Berlin, Martin van Zomeren, Amsterdam © Der Künstler)
 
The Lives and Loves of Images
Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen, 29. Februar - 26. April 2020

Sechs thematische Ausstellungen in sechs Häusern in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg erforschen das Eigenleben von Bildern und unser ambivalentes Verhältnis zur Fotografie.   Die rund 70 KünstlerInnen finden eigene Antworten auf aktuelle Fragen der Fotografie und präsentieren diese zur Biennale in unterschiedlichsten Formen: von traditionellen Dunkelkammerabzügen bis zu mehrteiligen Installationen, von Virtual Reality und Videoprojektionen bis hin zu großformatigen Wandbildern, handgemachten und digitalen Collagen. (Abb. Antonio Pérez Río, Oath of the Horatii, 2017, from the series Masterpieces, 2014–18)
 
Timm Ulrichs.  Ich, Gott & die Welt. 100 Tage – 100 Werke – 100 Autoren
 Haus am Lützowplatz Berlin,  7. März – 14. Juni 2020
Timm Ulrichs (*31. März 1940 in Berlin) erklärte sich 1961 zum „Ersten lebenden Kunstwerk“, eröffnete die „Werbezentrale für Totalkunst“ und adelte damit alle seine Lebensäußerungen en passant als Kunst. Seit 1960 entwickelt Ulrichs Ideen und materialisiert diese zu Werken. Er macht sich zum Maß aller Dinge, erforscht und vermisst sich, setzt sich Pars pro Toto für die Menschheit ins Verhältnis zu Gesellschaft, Natur und Universum. Der Titel der Ausstellung, „Ich, Gott und die Welt“, ist von dem bekennenden Atheisten und Agnostiker aber gar nicht blasphemisch gemeint, sondern als Beschreibung seines Radius des Erkenntnisinteresses. Ulrichs’ Kunstsprache ist polyglott; er bedient sich aller Gattungen und Genres. Seine Marke ist die Stil- und Markenlosigkeit bzw. das innewohnende intellektuelle Interesse an Erkundung der Wirklichkeit mittels künstlerischer Demonstrationen, Versuchsanordnungen sowie aus der Sprache entwickelten und zu Bildern geronnenen Gedanken.
 
Bernhard Martin. Image Ballett
Haus am Waldsee Berlin, 13. März – 7. Juni 2020

Alles ist möglich, nichts ist ausgeschlossen in der furiosen Bildwelt, die Bernhard Martin seit den 1990er Jahren zwischen Apokalypse und Heiligenbild auf höchstem Niveau erschafft. Visuell vagabundierend schöpft er aus der Flut des Internets, den sozialen Medien, aber auch der Kunstgeschichte, um sie spektakulär zu transformieren. Mit Leidenschaft greift der Maler Bilder auf, die Sehnsüchte, Ängste oder Ekel auslösen. Vermischt mit eigenen Visionen überführt er das vorgefundene Material auf der Leinwand zu Szenen. (Abb. Bernhard Martin, Große Bühne für das große Nichts, 2011/12, Öl auf Leinwand, 145 x 165 cm, Privatsammlung, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020)
 
Hélène Delprat. with my voice i’m calling you
 Kunsthalle Giessen, 7. März – 24. Mai 2020

das Zitieren ist für das Werk der französischen Künstlerin Hélène Delprat zentral. Aus literarischen, (kunst)historischen sowie filmischen und popkulturellen Referenzen entwickelt sie ihren eigenen, abgründigen und exzessiven Kosmos, in dem das Humorvolle mit dem Düsteren und das Ornamentale mit dem Figürlichen verschmelzen. Ihre Werke umfassen neben Malerei und Zeichnung auch Objekte, Videos und szenographische Elemente.  Hélène Delprat (* 1957 Amiens) lebt und arbeitet in Paris.  (Abb. © Abb.: Hélène Delprat – ADAGP, 2020, Paris)
 
Julia Steiner - Am Saum des Raumes
Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, 8. Februar 2020 - 19. Juli 2020

Die Künstlerin Julia Steiner nimmt schon allein aufgrund der Größe ihrer Werke die Zeit ins Visier. Ihre Arbeiten können nicht mit einem Blick erfasst werden, sondern fordern vom Betrachter ein, sich zu bewegen. Zeichnungen, direkt auf Wand und Decke gemalt, sowie skulpturale, auf den Raum bezogene Setzungen, Erinnerungen, Körpergefühl und Sehen wirken zusammen. Julia Steiner, 1982 in Büren zum Hof geboren, erhält hier die erste institutionelle Ausstellung außerhalb der Schweiz. (Abb. Julia Steiner, Out of Horizon, 2012, Installation Cantonale Thun, Foto: David Aebi, Bern, © Julia Steiner)
 
Hoffnung. Teil 3 der Ausstellungstrilogie GLAUBE, LIEBE, HOFFNUNG
Draiflessen Collection, 22. März – 21. Juni 2020

Der letzte Teil der Ausstellungstrilogie GLAUBE, LIEBE, HOFFNUNG  widmet sich dem Konzept Hoffnung als einem Prinzip der Offenheit gegenüber faktisch (noch) nicht verfügbaren Möglichkeiten. Künstlerische Positionen aus dem 20. und 21. Jahrhundert, darunter Arbeiten von Michael Buthe, Duane Michals und Fritz Winter, machen Mehrdeutigkeiten und mögliche Widersprüche deutlich: Ist Hoffnung das Vertrauen, dass „alles gut geht“ oder eher blinder Irrglaube? Ist sie stärkender Antrieb oder lähmt sie nicht sogar? Die ausgestellten Werke zeigen, dass sich im Prozess des Hoffens die Grenzen von Wissen, Erfahrung und Bewusstsein verschieben, dass sie überschritten oder komplett aufgelöst werden können. Die Draiflessen Collection wurde 2009 auf private Initiative der UnternehmerInnenfamilie Brenninkmeijer gegründet. Das Kunstmuseum ist gemeinnützig und öffentlich zugänglich.
 
 Folklore
Centre Pompidou Metz, 21. März – 21. September 2020

Die mit Tradition gleichgestellte und somit scheinbar im Widerspruch zu Avantgarde stehende Folklore durchdringt als ständiger Gegenstand von Kontroversen auf unterschiedliche Weise ganze Segmente der Moderne und des zeitgenössischen Kunstschaffens. Fern des Klischees einer überholten und künstlichen Vergangenheit, fanden Künstler in ihr neben einem Gegenstand der kritischen Analyse oder des Disputs auch eine Inspirationsquelle, eine regenerierende Kraft. Von den Anfängen der modernen Kunst bis zur Gegenwartskunst zeigt diese Ausstellung die manchmal ambivalenten Beziehungen auf, die Künstler zur Folklore unterhalten, die von der formalen Entlehnung bis zur Nachahmung einer Methode, von der Faszination bis zur kritischen Ironie reichen. (Abb. Paul Sérusier, La guirlande de roses, 1898 Huile sur toile, 194 × 175 cm. Inv. Nr. 10255 Genève, Musée du Petit Palais. crédit : ©akg-images)
 
Hannsjörg Voth. Ingrid Amslinger. Zu Lande und zu Wasser
Von der Heydt Museum Wuppertal, 24. März – 13. September 2020

Hannsjörg Voth (geboren 1940) ist seit den 1970er Jahren für seine Aufsehen erregenden Land-Art-Projekte bekannt. Acht seiner Großprojekte werden anhand von Zeichnungen, Modellen und Fotografien dokumentiert, deren ästhetischer Reiz und baulicher Anspruch auch heute noch staunen lassen. Mit einem besonderen Gespür für den Ort und das Material erschuf Voth Großskulpturen, die wie wahrgewordene Utopien erscheinen. Kosmische und archaische Ideen und Symbole zeichnen diese ebenso aus wie eine besondere Aufmerksamkeit für die Beziehung von Mensch und Natur. Ingrid Amslinger hat in ihren Schwarz-Weiß-Fotografien einen zurückgenommenen und zugleich eindringlichen Weg gefunden, die Projekte festzuhalten. Neben den Großprojekten Voths präsentiert die Ausstellung freie Zeichnungen und Aquarelle sowie Materialbilder, die während Voths Aufenthalten in den Wintermonaten in den Bauskulpturen „Himmelstreppe“, „Goldene Spirale“ und „Stadt des Orion“ in der marokkanischen Marha-Ebene entstanden sind.  Die Ausstellung spannt einen Bogen von den beeindruckenden Großprojekten bis hin zu feinen Arbeiten auf Papier, die bis 2007 entstanden sind. (Abb. Himmelstreppe, 1985,  © VG Bild-Kunst, Bonn 2020 )
 
Julius von Bismarck. Feuer mit Feuer
Bundeskunsthalle Bonn, 27. März - 30. August 2020

Julius von Bismarck ist auf der Suche nach anderen Formen der Wahrnehmung, erforscht er mit künstlerischen Mitteln Mensch, Natur und Technologie. So setzte er sich auf einer rasant rotierenden Scheibe, seinem Egocentric System, den Fliehkräften aus, um auf diese Weise die eigene und unsere Wahrnehmung zu hinterfragen. Für seine Arbeit Punishment peitschte der 36-jährige Künstler in Rio de Janeiro das Meer, in New York die Freiheitsstatue sowie die Berge in den Alpen. In den USA ging er auf Hurrikan-Jagd oder fing in Venezuela Blitze ein, um die Ästhetik der Naturgewalten zu untersuchen. So verheerend und gewaltig Naturkräfte auch sind, nehmen wir in seinen Werken auch eine grenzenlose Schönheit in der Katastrophe wahr. In der Ausstellung wird sein künstlerisches Erforschen von Waldbränden in einer multimedialen Installation, Sound und Skulpturen visualisiert. ( Julius von Bismarck Fire with Fire, 2020, Courtesy the artist, alexander levy, Berlin; Sies+Höke, Düsseldorf and Marlborough Contemporary, London/New York © the artist / VG Bild-Kunst, Bonn 2020)


Beethoven. Welt.Bürger.Musik
Bundeskunsthalle Bonn, 17. Dezember 2019 - 26. April 2020

Die Schau zeichnet die wichtigsten Lebensstationen Beethovens nach und verschränkt diese mit seinem musikalischen Werk. Sie gliedert sich in Themenkreise wie „Beethovens Sicht auf sich selbst“, „Freundschaften“ und „Geschäftliche Strategien“, denen jeweils musikalische Schlüsselwerke zugeordnet sind. Sie präsentiert einzigartige Originalexponate und ikonische Porträts, die die Persönlichkeit des Komponisten vorstellen und gleichzeitig sein gängiges Bild in der Öffentlichkeit hinterfragen. Originalinstrumente und Hörstationen lassen in historische Klangwelten eintauchen. Es wird nicht nur die Arbeitsweise des Komponisten, sondern auch der kulturhistorische Kontext seiner Lebens- und Wirkungsgeschichte veranschaulicht.
 
Vermischte Meldungen


Nordrhein-Westfalen verfügt über einen großen und vielfältigen Bestand an Kirchengebäuden. Er umfasst über 6.000 Bauwerke aller Größen und Bauepochen. Einige Kirchengemeinden sind bereits heute nicht mehr in der Lage ihre Kirchengebäude zu erhalten und stehen unter einem enormen Handlungsdruck. Schätzungen gehen davon aus, dass langfristig 25 bis 30 Prozent der Kirchenbauwerke leer fallen.  Diese Bauwerke zu erhalten und in angemessener Weise an die Veränderungen anzupassen ist ein wichtiges Anliegen. Die Landesinitiative StadtBauKultur NRW, die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und die Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen haben sich daher zusammengeschlossen, um  bei der Bewältigung dieser Herausforderung zu helfen. Für diesen Zweck haben sie mit Unterstützung der (Erz-)Bistümer und Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen und unter Mitwirkung der RWTH Aachen und des M:AIs NRW das Projekt Zukunft – Kirchen­ – Räume. Kirchengebäude erhalten, anpassen und umnutzen entwickelt. Das Projekt Zukunft – Kirchen ­– Räume wendet sich an Kirchen und Kirchengemeinden, Kommunalverwaltungen, Vereine und Initiativen, Planer und Investoren sowie alle anderen, die an der baulichen Anpassung oder Umnutzung von Kirchengebäuden beteiligt  sind. Ihnen sollen durch das Projekt nützliche Informationen, Ansprechpersonen und eine Auswahl beispielhafter Projekte zur Verfügung gestellt werden. Außerdem erhalten sie Literaturhinweise und Hinweise zu bevorstehenden Fortbildungsangeboten. Ergänzt wird dieses Angebot durch das Teilprojekt Zukunftskonzept Kirchenräume. www.zukunft-kirchen-raeume.de


 Der Ökumenische Kirchentag sucht ab sofort Beiträge für das Programm des kirchlichen Großereignisses, das vom 12. bis 16. Mai 2021 in Frankfurt am Main stattfinden wird. Institutionen, Verbände, Gruppen und Einzelpersonen können ab sofort einen Vorschlag für eine Veranstaltung über eine eigens dafür freigeschaltete Internetseite einsenden. Das Leitwort lautet „schaut hin“. Es sollen sich auch Gruppen und Institutionen angesprochen fühlen, die keinen kirchlichen Hintergrund haben. Der Ökumenische Kirchentag wird veranstaltet vom Deutschen Evangelischen Kirchentag und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Die „religiösen Naturschutztage“ finden dieses Jahr unter dem Motto „Wo Stadt und Land sich küssen“ vom 13. bis 20. September in Frankfurt am Main und dem benachbarten Wetteraukreis statt. Vorgängerveranstaltungen gab es in Darmstadt (2017), Osnabrück (2018) und Köln (2019). Die Woche ist Teil des Projekts „Religionen für biologische Vielfalt“ des Abrahamischen Forums, dem Vertreter von neun Religionsgemeinschaften, sechs Naturschutzverbänden, dem Bundesamt für Naturschutz und dem Bundesumweltministerium angehören. Gefördert werden die Veranstaltungen vom Bundesamt für Naturschutz von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.



Der bekannte Architekt und Pritzker-Preisträger Gottfried Böhm feierte am 23. Januar 2020 seinen 100. Geburtstag. Er schuf hochbedeutende Kirchenbauten wie u.a. die Wallfahrtskirche in Neviges, Rathäuser, Wohnungen, Bürogebäude und einen eindrucksvollen Museumsbau – das Diözesanmuseum in Paderborn. Das 1975 eröffnete Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Paderborner Dom ist eine freitragende Stahlkonstruktion mit einem Großraum, der keine trennenden Zwischenwände und Kabinette im herkömmlichen Sinne mehr kennt. Außen lässt die gestufte Bleifassade das Gebäude wie ein skulptural aufgefasstes Schreingehäuse neben dem Dom wirken. Es gab von Anfang an kontroverse Diskussionen um das Gebäude.  BesucherInnen des Museums können nun vor Ort mit einem Audioguide die Geschichte und die verschiedenen Sichtweisen rund um den Bau nacherleben, humoristisch und unterhaltsam erzählt. So nimmt das Diözseanmuseum teil am bundesweiten Veranstaltungsprogramm „BÖHM100“, das den Kölner Architekten das ganze Jahr über mit Vorträgen, Symposien, Ausstellungen, Exkursionen etc. würdigt. www.boehm100.de/programm (Abb. Das Diözesanmuseum Paderborn, Aussenaufnahme. Foto: Kalle Noltenhans)

Andreas Keller, pensionierter Intendant der Internationalen Stuttgarter Bachakademie, macht im Internet Aufnahmen von Kirchen verfügbar. Weit über 7.000 Bilder hat er nach eigenen Angaben bereits hochgeladen, es könnten noch Tausende folgen. Die Fotos zeigt Keller auf zwei Internetseiten: kirchen-online.com und kirchen-online.org. Das Material ist so aufbereitet, dass Nutzer gezielt Kirchen suchen können. Inzwischen gibt es auch eine Rubrik zu Heiligen und Rosenkranzbildern. Die Auswahl der Gotteshäuser ist eher zufällig. Keller hat seine Heimatstadt Stuttgart vorzüglich dokumentiert, dazu die Bodenseeregion, auch die Region Surselva in der Schweiz. Keller ist Vorsitzender des Fördervereins der Stuttgarter Brenz-Kirche am Killesberg. Die ursprüngliche Architektur des Gotteshauses mit Flachdach und abgerundeten Ecken wurde von den Nationalsozialisten durch ein aufgesetztes Spitzdach und scharfe Ecken "germanisiert" - und der Verein möchte nun den ursprünglichen Zustand wiederherstellen.

Deutschlands berühmtester Kunst- und Baudenkmalführer, der „Dehio“, wird digitalisiert. Das „Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler“ wird in den kommenden drei Jahren digital aufbereitet und erweitert.
Initiatorin des Digitalisierungsprojektes ist die Deutsche Dehio-Vereinigung mit Sitz in Wiesbaden. In dem mittlerweile 22-bändigen Referenzwerk zum baukulturellen Erbe in Deutschland werden etwa 100.000 Bauwerke mit ihren 200.000 Ausstattungsstücken beschrieben. In seiner digitalen Ausgabe „Dehio digital“ soll das Werk um mindestens 150.000 Fotos ergänzt werden. Beteiligt sind das Deutsche Dokumentationszentrums für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg (DDK),die Thüringische Universitäts- und Landesbibliothek und der digiCULT-Verbund. Das Projekt wird mit 750.000 Euro vom Bund gefördert. Die erste damals fünfbändige Ausgabe des Baudenkmalführers erschien 1905.Herausgeber war der Kunsthistoriker Georg Dehio (1850-1932).



Seine größte Bekanntheit erlangte der Architekt Klaus Franz (1923-1999) mit seinen Kirchenbauten. Für das Fellbacher Gemeindezentrum Maria Regina (1967) erhielt er den renommierten Hugo-Häring-Preis.  Nicht minder erwähnenswert sind das Gemeindezentrum Don Bosco (1972) in Fellbach oder das Gemeindehaus St. Martin (1974) in Bad Wimpfen. Die Melanchthonkirche in Fellbach soll 2021 geschlossen und in der Folge abgerissen werden. Die Abgabe des Grundstücks an die Stadt ist Teil eines größeren „Immobilienkonzepts“. Dafür soll das Areal mit Kirche und Gemeindezentrum frei werden. (Abb. Rothmund, CC BY SA 3.0, kirchbau.de)

Für 2020 haben sich die Lübecker Museen zu einem Ausstellungszyklus „Jahr des Nordens“ zusammengeschlossen. Fotografien, Nordic Design, Kunst und Natur des nordischen Kulturkreises stehen im Mittelpunkt des Programms. So zeigt z.B. das Museum für Natur und Umwelt vom 28. Februar - 19. November 2020 die Ausstellung „Land Küste Meer – Einblicke in die Schatzkammern des Nordens“. Den Auftakt macht vom 26. Januar -  26. April 2020 die Kunsthalle St. Annen mit der Ausstellung „Frischer Wind aus dem Norden!“ Zu sehen sind Naturmotive der Helsinki School, einer Gruppe von Fotokünstlern aus dem Umfeld der Aalto University of Arts, Design and Architecture. Sie werden Werken der Malerei, Grafik und Skulptur der skandinavischen Moderne gegenübergestellt.

Die Internationale Photoszene Köln vergibt gemeinsam mit der Fotoakademie-Köln ein Stipendium für ein zweieinhalbjähriges Studium im Gesamtwert von rund 7.000 Euro. Das Studium findet in jedem der fünf Semester einmal wöchentlich mittwochs oder sonntags statt und ist praxisorientiert in Bezug auf Materialkunde, Bildgestaltung, Lichtsetzung, Studiotechnik etc. Interessenten können sich bis zum 3. April 2020 bei der Fotoakademie-Koeln bewerben. Weitere Infos: http://www.fotoakademie-koeln.de

Die Wormser Nibelungen-Festspiele planen für 2021 ausnahmsweise keine Neu-Inszenierung der Nibelungen-Sage, sondern ein Drama über den Reformator Martin Luther (1483-1546) des Schweizer Autors Lukas Bärfuss. Zum 500. Jahrestag des Wormser Reichstags sind eine Reihe weiterer Veranstaltungen geplant, unter anderem eine Landesausstellung unter dem Titel „Hier stehe ich. Gewissen und Protest - 1521 bis 2021“. Bei den Nibelungen-Spielen dieses Jahr vom 17. Juli bis 2. August 2020 wird die Sage aus Frauensicht erzählt. Der Regisseur Roger Vontobel bringt dazu das Stück des österreichischen Dramatikers Ferdinand Schmalz „hildensaga. Ein königinnendrama“ auf die Bühne vor dem Wormser Dom. www.nibelungenfestspiele.de

Die Kirchenbauaustellung "Fluch und Segen" thematisierte im November 2019 in der Kirche St. Gertrud in Köln die Bedeutung von Kirchenbauten und den baulichen Umgang mit diesen außergewöhnlichen Räumen angesichts zunehmender Leerstände. Die Ausstellung geht im Jahr 2020 auf Wanderschaft. Anhand von 17 Projekten, überwiegend aus Nordrhein-Westfalen, zeigt die Ausstellung, mit welchen neuen Konzepten und baulichen Veränderungen sich Kirchengemeinden auseinandergesetzt haben, als sie vor der Herausforderung standen, eines ihrer Gebäude aufzugeben oder anders zu nutzen.  Interessierte Kirchengemeinden oder andere Akteure können sich melden unter esther.heckmann@stadtbaukultur.nrw.de, um weitere Informationen zu erhalten und sich als Ausstellungsort zu bewerben.

Seit 2017 steht fest, dass die 1833 eröffnete, im Zweiten Weltkrieg zerstörte und 1947/48 wiedererrichtete  Frankfurter Paulskirche umfassend saniert werden muss. An dem Wie der Sanierung hatte sich eine bundesweite Diskussion entzündet. Eine wesentliche Grundentscheidung traf die Frankfurter Regierungskoalition, als sie sich für die Nachkriegsgestaltung mit ihrer schlichten Form als Leitlinie der Sanierung entschied. www.denkmalpflege-hessen.de

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) startet im Mai in Darmstadt einen großen Neubaukomplex.  Unter einem Dach sollen das Zentrum Bildung, das Zentrum Seelsorge und Beratung, die Räume der evangelischen Südostgemeinde und eine Kirche neu entstehen. Der Neubau im Woogsviertel wird auch die alten Räume der Südostgemeinde ersetzen. Der Gebäudekomplex umfasst ein Pfarrhaus in Holzbauweise, das fast Passivhausstandard erreicht, ein Gemeindezentrum mit einem Kirchturm und einen Gebäudeteil für die beiden überregionalen Zentren der Kirche. Die Gemeinde und die Zentren könnten künftig gemeinsam Räume nutzen und sich Parkplätze zu teilen. Ergänzt wird das Gebäude durch einen Kirchvorplatz und einen Innenhof. Das Bauwerk mit fast 4.000 Quadratmetern Fläche soll rund zwölf Millionen Euro kosten. Die bisherigen Gebäude der Einrichtungen sind nach Angaben der EKHN sanierungsbedürftig. Die Fertigstellung des Gebäudekomplexes ist für das zweite Quartal 2022 geplant. Die Baukosten betragen für die Arbeitszentren 8,3 Millionen Euro und für die Gebäude der Kirchengemeinde 3,6 Millionen Euro. Die Entwurfsplanung stammt vom Büro soan Architekten aus Bochum.

Seit 1999 lädt die Landeskirche Hannovers zu ihrem „Aschermittwoch der Künste“ ein. Die Bezeichnung will verdeutlichen, dass an die katholische Tradition des „Aschermittwochs der Künstler“ angeknüpft, jedoch zugleich Raum für die eigene protestantische Färbung gegeben wird. Es wird dieser nicht mit einer festen liturgischen Form begangen. Im Mittelpunkt stehen KünstlerInnen mit ihren Werken und Themen sowie der Dialog von Kirche und Kunst. Jeder „Aschermittwoch der Künste“ steht in jedem Jahr unter einem eigenen Thema, das durch Dialoge mit einem Künstler bzw. mit einer künstlerischen Sparte pointiert wird.

Unter dem Titel „Poems for Earthlings” hat der argentinische Künstler Adrian Villar Rojas bis 26. April 2020 eine raumfüllende Installation in der Oude Kerk in Amsterdam verwirklicht. Es geht um das Erbe der Menschheit im Sinn von, was sie einmal hinterlassen wird. Eine düstere Atmosphäre entsteht durch aufgetürmte Sandsäcke, Brettergerüste und schummrige Kandelaber.



Zum zehnten Mal hat der Verlag Schnell und Steiner den Kulturpreis "Kunst und Ethos" verliehen, den er anlässlich seines 75. Jubiläums gestiftet hat. Er soll die Verbindung von Kunst und Ethos programmatisch zum Ausdruck bringen, wobei die Gattung des Kunstwerks und die künstlerische Form offen sind. Auch thematisch gibt es keine Vorgaben. Zuletzt wurde die aus Straubing stammende Elke Maier ausgezeichnet, die seit Jahrzehnten künstlerische Interventionen aus feinem weißen Nähgarn in sakralen Räumen realisiert. Die 1965 geborene Maier studierte von 1986 bis 1993 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. (Abb. Elke Maier, Installation in der Christkönigkirche Bochum)

In einer öffentlichen Mitteilung verkündete das Pressebüro der Biennale Venedig die Verschiebung der diesjährigen Architekturbiennale unter der kuratorischen Leitung Hashim Sarkis um drei Monate. Statt des zuvor festgelegten Zeitraums vom 23. Mai bis zum 29. November, wird die Großveranstaltung vom 29. August bis zum 29. November 2020 ausgetragen.

Yvonne Farrell und Shelley McNamara wurden mit dem Pritzker Prize geehrt. Die Auszeichnung gilt als eine der höchstdotierten im Bereich der Architektur. Die beiden irischen Architektinnen hatten 1978 gemeinsam das Büro Grafton Architects gegründet. Zu ihren markantesten Entwürfen zählt der Bau für die Universität Luigi Bocconi in Mailand (2008). 2018 kuratierten sie die Architekturbiennale in Venedig. 2019 wurde nach ihren Entwürfen das Capitol für Universität von Toulouse fertig gestellt.



Nach siebenjähriger Teilschließung präsentieren die Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister und die Skulpturensammlung ihre Werke in dem umfangreich sanierten Semperbau am Zwinger. Die Konzeption der neuen Dauerausstellung folgt einer Unterteilung nach geografischen Schulen und Epochen. Wegweisend für die vollständig überarbeitete Dauerausstellung ist die Integration der Skulpturensammlung: Die bedeutende Dresdner Antikensammlung wird nach zehn Jahren im Schaudepot des Albertinum nun imposant im Semperbau präsentiert. Eine neue Dreifach-Fensterverglasung mit hohem Farbwiedergabeindex ermöglicht jetzt natürliches Licht in den Räumen. Das vollkommen überarbeitete Lichtkonzept mit detailgenauer Akzentbeleuchtung und die farbigen Wandbespannungen lassen die Werke neu erscheinen. Anlässlich der Eröffnung setzt der Künstler Peter Baldinger mit seiner Installation „Then is now“ Raffaels Engel als Neonskulptur auf das Dach des sanierten Semperbaus. (Abb. Antikenhalle, Gemäldegalerie Alte Meister und Skulpturensammlung bis 1800)



Collumnia Köln
ist ein Ausstellungsprojekt im öffentlichen Raum sowie in ausgewählten Museen und Institutionen. Vom 11. - 14. März 2020 entsteht in der Kölner Innenstadt ein temporärer Ausstellungsparcours mit Arbeiten von internationalen KünstlerInnen, die mit Licht als Material, Medium oder Metapher arbeiten. Außerdem findet die Lange Nacht der Kirchen am 13.März statt und es finden sich Lichtinstallationen auch in Kirchen. (Abb. Caitlind r. c. Brown / Wayne Garrett in St. Peter, Köln, Foto: Doug Wong)


Der Serpentine Pavilion 2020 trägt die Handschrift der drei Frauen von Counterspace aus Johannesburg - Sumayya Vally, Sarah de Villiers und Amina Kaskar, alle Jahrgang 1990 und somit die jüngsten Architektinnen in der Geschichte des Pavillons. Mit einer Mischung aus Kork und K-Briq Modulen aus wiederverwerteten Baumaterialien bestehen, steht ein nachhaltiger Ansatz im Vordergrund. (Abb. Serpentine Pavillon,  Periphere Formen, 2020, Counterspace, Material: Kork, K-Briq Module)
 
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