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Mini-Solar-News

Aktuelle Informationen und Hintergründe zu
Mini-Solar-Kraftwerken


KW 42 2019
 
In dieser Ausgabe:
 

E.DIS-Formular enttäuscht auf ganzer Linie

Nach Verzögerungen bei der seit einigen Wochen geplanten Veröffentlichung eines vereinfachten Anmeldeverfahrens bei E.DIS Netz, dem größten Netzbetreiber Ostdeutschlands (wir berichteten), hat das Unternehmen in dieser Woche nun ein entsprechendes Dokument veröffentlicht. Leider entspricht es weder irgendeinem der bereits andernorts gültigen und gebräuchlichen Verfahren noch den Anforderungen der Energiegesetzgebung, der VDE-Normen, den realen Nutzungsbedingungen und insbesondere nicht dem eigentlich mit der Veröffentlichung beabsichtigten Ziel: einer signifikanten Vereinfachung der Anmeldung für Nutzer. 

Bereits das erste Wort auf dem Dokument zeichnet ein eindeutiges Bild von der Sichtweise der Verfasser auf das Thema Balkonsolar. Seine Überschrift lautet "Antragstellung für steckerfertige Erzeugungsanlagen bis 600VA". Allerdings ist nach gesetzlicher Vorgabe die Nutzung eines Balkonkraftwerks ebenso wenig zu "beantragen" wie die eines Toasters. Im Gegenteil ist seine Nutzung dem Netzbetreiber lediglich "mitzuteilen" (etwa lt. §19 NAV). Da der VDE bei der Neuregelung der Niederspannungsrichtlinie in 2018 versäumt hat, wie ursprünglich geplant ein Muster-Anmeldeverfahren für Balkonkraftwerke zu veröffentlichen, darf zwar jeder Netzbetreiber die Form der "Mitteilung" selbst bestimmen, ein "Antrag" wird jedoch in keinem Fall daraus, denn die Nutzung eines Balkonkraftwerks kann nicht grundsätzlich abgelehnt werden. Erfolgt dies doch, wie etwa beim Netzbetreiber "Westnetz" vor einigen Jahren, so ist das Grund genug für ein Missbrauchsverfahren vor der Bundesnetzagentur, welches für den Netzbetreiber nicht zu gewinnen ist und etwa im Falle Westnetz zu einer schnellen und vollständigen Öffnung für Balkonkraftwerke führte.

Damit nicht genug, verlangt das Dokument zudem ein Ausfüllen und Unterzeichnen durch den "Anschlussnehmer", also den Hausbesitzer. Gerade im Fall von Mietwohnungen ist aber der Hausbesitzer/Vermieter prinzipiell ebenso wenig zu involvieren wie bei der Anschaffung eines neuen Liegestuhls. Das gilt insbesondere sofern das Solarmodul nicht von den Verkehrsflächen aus sichtbar angebracht wird, also etwa im Mietergarten, auf der Terrasse oder auf der Balkonfläche betrieben wird. Zudem ist es nicht Aufgabe des Netzbetreibers, die Abstimmung zwischen Mieter und Vermieter in Bezug auf die Fassadengestaltung o.ä. zu steuern. Auch das wäre eine Überschreitung wenn nicht gar ein Missbrauch der Kompetenzen.

Weiterhin wird bei Einbau einer "Energiesteckdose" oder bei Festanschluss die Nennung des durchführenden Elektrofachbetriebs gefordert. Dass solche Arbeiten von einem Fachbetrieb durchgeführt werden sollten ist auch in den deutschlandweit gültigen Regularien klar festgehalten. Allerdings gilt das etwa ebenso für das Anbringen von Deckenleuchten. Dort allerdings wird keine Meldung oder Nennung eines Elektrofachbetriebs gefordert. Die Beispiele für missbräuchliches Verhalten des Netzbetreibers in §30 EnWG beinhalten jedoch explizit den Fall, dass dieser "ungünstigere Entgelte oder sonstige Geschäftsbedingungen [Hervorhebung durch die Redaktion] fordert, als er sie selbst auf vergleichbaren Märkten von gleichartigen Abnehmern fordert." Man kann diese Differenz im Umgang mit Kunden durchaus als einen solchen Fall deuten.

Die übrigen Unstimmigkeiten und Widersinnigkeiten sind im Folgenden stichwortartig aufgeführt:

  • Abfrage der Modulleistung
    Diese ist für Prognosen und Grenzwerte schlicht irrelevant, da die reale Leistung ohnehin durch den knapp bemessenen Mikrowechselrichter begrenzt ist.
  • Abfrage der Wechselrichterleistung in Kilovoltampere
    Weder findet sich dieser Wert der Scheinleistung in den für den Nutzer zugänglichen Datenblättern der Geräte wieder, da die Differenz zur gebräuchlicheren Wirkleistungsangabe in Watt marginal ist, noch ist es sinnvoll bei Geräten, die auf 600VA begrenzt sind, eine Angabe in kVA zu verlangen.
  • Einfordern des Datenblatts der Erzeugungsanlage
    Die Anbieter stellen im Normalfall die Datenblätter jeweils für Modul(e) und Wechselrichter zur Verfügung. Ein gemeinsames Datenblatt wird nicht erstellt und kann also auch nicht vorgelegt werden. 
  • doppelte Abfrage von Scheinleistung, Modulleistung und Vorhandensein der notwendigen Zertifikate
    Allein durch Wegfall dieser Redundanzen könnte der gesamte Inhalt auf eine A4 Seite reduziert werden, wie es in sehr vielen Netzbereichen üblich ist. 
  • Einfordern einer Dokumentation sowie eines vollständigen Schaltplans durch einen Anlagenerrichter/Elektrofachbetrieb
    Mit der neuen Niederspannungsrichtlinie DIN VDE-AR-N-4105:2018-11 5.5.3 wurde klar gestellt, dass die Inbetriebnahme eines Balkonkraftwerks ohne einen Anlagenerrichter/Elektriker erfolgen kann. Diese Forderung widerspricht also den anerkannten Regeln der Technik und damit auch §49 Abs. 2 Satz 1 EnWG.
Im Fazit stellt das veröffentlichte Anmeldeverfahren der E.DIS schlicht eine große Enttäuschung dar. Es wirft angesichts der wesentlich nutzerfreundlicheren Verfahren von Schwesterunternehmen der E.DIS innerhalb des E.ON Konzerns sowie angesichts des neuen und zielführenden Anmeldebogens von Stromnetz Berlin die Frage auf, ob die regelkonforme Anmeldung von Stecker-Kraftwerken in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gezielt verhindert werden soll.

Wir versuchen in den nächsten Tagen, eine Stellungnahme des Unternehmens zu bekommen und bestenfalls ein Umdenken zu bewirken und halten dich über die Ergebnisse auf dem Laufenden.
 

Im Westen was Neues


Der Vorstoß der Netzbetreiber in Nordrhein-Westfalen unter dem Dach des dortigen BDEW-Landesverbandes, eine gemeinsame Vorlage für ein einfaches und nutzerfreundliches Anmeldeverfahren für Balkonkraftwerke herauszugeben, wurde bekanntlich von Bundesnetzagentur und BDEW Bundesverband eingestampft (wir berichteten). Das Anliegen der Unternehmen, sich für die praktischen Geräte zu öffnen, wie es etwa Bonn Netz als erster und Westnetz als größter Netzbetreiber der Region vorgemacht haben, besteht allerdings weiter. Da wir dieses Anliegen unterstützen, freut uns in dieser Woche besonders, dass mit dem Stromnetz der Niederrheinischen Energie- und Wasserversorgung (NEW) nun auch im westlichsten Netzgebiet der Bundesrepublik die Anmeldung über unseren kostenlosen und kundenfreundlichen Formularservice möglich ist.

In diesem Netzgebiet liegt mit Grevenbroich nicht nur der Geburtsort von Horst Schlämmer sondern auch das Braunkohletagebau Garzweiler. Es ist gut zu wissen, dass nun auch immer mehr Menschen, welche direkt von den Folgen der Stromerzeugung aus fossilen Energiequellen betroffen sind, an deren Beendigung mitarbeiten können.
 
Wenn du aus Mönchengladbach, Erkelenz, Golkrath oder einem anderen Ort im Netzgebiet der NEW kommst, dann Registriere dich jetzt kostenlos und werde Energieriese!
 
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Stadtwerke Bremen verwirklichen erstmals Balkonsolar-Stromtarif


Bereits vor über einem Jahr waren wir auf das Phänomen aufmerksam geworden, dass sich das Balkonkraftwerk für Stromanbieter zum interessanten Lockmittel im hart umkämpften Strommarkt entwickelt. Dieser Prozess hat in dieser Woche eine neue Stufe erreicht. Die Stadtwerke Bremen (SWB) haben als erster Energiedienstleister mit www.own-sun.de eine eigene Plattform ausschließlich für die Kundenakquise über das Balkonkraftwerk aufgebaut. Die Webseite wirkt noch etwas unfertig, das zentrale Angebot jedoch ist klar: Wer als Stromkunde zu den Stadtwerken wechselt, erhält nicht nur ein kostenloses Balkonkraftwerk, die Stadtwerke kümmern sich zudem auch um fachgerechte Installation, Zählerwechsel und Anmeldung beim eigenen Tochterunternehmen Wesernetz Bremen. Ein Strommeßgerät mit Smartphone-Ablesung ist ebenfalls bereits enthalten. Alle hierfür anfallenden Kosten werden über den Grundpreis des Stromliefervertrages abgerechnet. Dessen Konditionen sowie die Kraftwerkskomponenten konnten wir bis Redaktionsschluss nicht ermitteln, werden sie aber soweit möglich veröffentlichen, sobald dies der Fall ist.

Solche Geschäftsmodelle, so sie sich denn für die Unternehmen bewähren, können schneller und effektiver zu einer Etablierung der Balkonphotovoltaik beitragen als jedes kommunale Förderprogramm. Es ist zu hoffen, dass dieses Beispiel aus Bremen bald Nachahmer aus anderen Regionen findet.
 

Strompreis steigt weiter


Große Debatten löste in dieser Woche die Entscheidung der großen Netzbetreiber aus, die EEG-Umlage um weitere 5% auf 6,76 Cent/kWh zu erhöhen. Insbesondere die Berichterstattung, welche mitunter den Erneuerbaren Energien die Schuld an dieser Erhöhung zuwies, stand in der Kritik. So weist etwa Hans-Josef Fell, einer der Väter des EEG, auf seiner Webseite darauf hin, dass es kein Automatismus sei, dass der Strompreis steige, bloß weil die EEG-Umlage steigt, da diese auch zur Senkung der Börsenstrompreise beiträgt. Allerdings würden die daraus folgenden niedrigeren Beschaffungskosten durch die Energiekonzerne oft nicht an die Stromkunden durchgereicht sondern die Gewinne erhöht und dennoch nach außen behauptet, dass die Energiewende die Kosten treibe. "Der Verlierer", so Fell, "ist der Klimaschutz." 

Für diese These spricht, dass selbst nach dem ertragreichen Sommer noch immer über 2 Milliarden Euro auf dem EEG-Konto liegen statt in die Förderung zu fließen. Dies deutet auf ein Missverhältnis zwischen Umlage und Förderung hin, das der aktuellen Erhöhung eher widerspricht. Dass dieser Erhöhung der Umlage auf Kosten der Verbraucher zudem sowohl Enthüllungen über die betrügerische Hinterziehung von EEG-Abgaben in Milliardenhöhe durch die Industrie als auch auch die immer weitere Kürzung der Förderung von PV-Anlagen, wie zuletzt im Energiesammelgesetz Ende 2018, vorausgingen, kann diesen Eindruck nur verstärken.

Das Verbraucherportal Verivox rechnete die bisherige und voraussichtliche Strompreisentwicklung laut einem aktuellen Artikel bei Spiegel Online einmal gründlich durch. Das Ergebnis: "Die Strompreise sind im vergangenen Jahrzehnt um rund 32 Prozent gestiegen." Das entspräche bei einem Musterhaushalt mit 4000 kWh Jahresverbrauch 285 Euro an Mehrkosten im Vergleich zu 2009. Der Artikel schließt mit der selben Erkenntnis, welche auch Hans-Josef-Fell vermittelt wissen möchte: "Grundsätzlich steht es den Stromlieferanten frei, ob sie die steigenden Gebühren an ihre Kunden weiterreichen - und wenn ja, wie viel davon." Für welchen Weg die Energieunternehmen sich dabei entscheiden werden, ist jedoch absehbar. Das Balkonkraftwerk ist und bleibt eines der wenigen Mittel, sich gegen diese Entwicklung zur Wehr zu setzen.
 

Balkonsolar-Förderung macht Schule


Nach den spannenden Entwicklungen bei den Balkonsolar-Förderprogrammen in Hamm, Essen, Freiburg, Wiesbaden und zuletzt auch Hockenheim reißt die Serie von Positivmeldungen in dieser Hinsicht nicht ab. So setzt sich einer Meldung der Süddeutschen Zeitung zufolge in dieser Woche mit dem oberbayerischen Moosburg eine weitere Kommune mit Fördermaßnahmen für Balkonkraftwerke auseinander. Nach einer kürzlichen Niederlage von ÖDP, Grünen und Greenpeace beim Versuch, in Moosburg den Klimanotstand ausrufen zu lassen, hofft nun die dortige Stadtratsfraktion der Grünen, durch ein Förderprogramm für Balkonkraftwerke zumindest neue Impulse für den Solarausbau setzen zu können.

Das Programm soll schon zum Jahreswechsel starten und nach den Vorstellungen der Antragsteller die Anschaffung und die Installation der Kraftwerke mit jeweils 25% der Kosten, maximal aber mit 200€ bezuschusst werden. Das Gesamtvolumen soll 10.000€ betragen, also für 50 Kraftwerke ausreichen. Zum Vergleich: in einem zweiten Antrag wurden über 400.000€ für die solare Überdachung eines Parkplatzes anvisiert. Zugunsten der Moosburger Bürgerschaft wäre bei zukünftigen Anträgen eine andere Priorisierung zu überdenken.
 

Update Smart-Meter-Rollout


Der gesetzlich beschlossene Austausch von mindestens 95% aller alten Stromzähler gegen moderne Messeinrichtungen und Smart-Meter - der "Smart-Meter-Rollout" - rückt aktuell in greifbare Nähe. Nachdem vor zwei Wochen mit der Zertifizierung eines zweiten Smart-Meter-Gateways eine weitere Hürde auf dem Weg zum Start des Austauschs genommen wurde, kündigten schließlich in dieser Woche das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und das Bundeswirtschaftsministerium erwartungsgemäß an, dass auch das letzte der drei Gateways, das System von EMH Metering, noch in diesem Jahr sein Zertifikat erhalten und das BSI direkt im Anschluss eine sog. "Markterklärung" abgeben wird. Dies wäre nach dem "Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende" von 2016 der endgültige Startschuss für den verpflichtenden Austausch der Stromzähler.

Dass bereits eine größere Anzahl von Netzbetreibern und zuletzt auch der größte wettbewerbliche Messstellenbetreiber Discovergy mit den bisher schon zertifizierten Anbietern den Austausch begonnen hatten, lässt vermuten, dass in vielen Netzbereichen schon weit vor den gesetzlichen Fristen ein Großteil der Haushalte mit modernen Messeinrichtungen und Smart-Metern ausgestattet werden dürften. Auch abgesehen von den Mehrkosten und Risiken, die für Verbraucher hier entstehen können, betrachten insbesondere die Betreiber nicht gemeldeter Balkonkraftwerke die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Einerseits sollen die modernen Messgeräte dabei helfen, Verbräuche zu senken und erneuerbare Energien bedarfsgerechter zu verteilen, andererseits handelt es sich meist um Zähler mit der Fähigkeit zur Zweirichtungsmessung. Sofern es also auch nur zu geringen Einspeisungen durch Balkonkraftwerke kommt, bleibt dies künftig nicht mehr unbemerkt. Eine zeitnahe Anmeldung der eigenen Geräte, etwa über unseren kostenlosen Formularservice, bietet sich hier also an.

Hier gibt es weitere Informationen zu den Zählertypen und deren Bedeutung für Balkonkraftwerke.
 

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