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(c) Gif gefunden bei tumblr
Ich denke im Moment viel über Nähe und Distanz nach und die Praktiken, die wir ersinnen, um sie zu erschaffen oder zu überwinden. Deswegen möchte ich gerne noch einmal diesen Text von mir teilen, den ich im Mai 2017 auf Endemittezwanzig.de veröffentlich habe.

Über Essen zu schreiben ist irgendwie immer unbefriedigend. „Is das so?“ fragt meine Schwester per Telegram. Die App, nicht die mit Hilfe von Fernschreibern übermittelte telegrafische Nachricht. „Ja, is so“ antworte ich. Wir schreiben uns jeden Tag ungefähr zwanzig Nachrichten, die meisten davon drehen sich um Essen. Was ich gegessen habe, was sie gegessen hat, was ich essen werde, was sie essen wird, was ich zu Essen gekauft habe und wie die neue vegane Spinatpizza von Lidl schmeckt. Früher haben wir SMS geschrieben. Aber weil es so viel Geld kostet, ein Foto per SMS zu schicken, strenggenommen also eine MMS zu senden, haben wir nur Worte benutzt. „Es was lecker“, „Nom Nom Nom“, „Yummy“ oder „Eklig“, „Furchtbar“, „Würg“ - subjektive Kurzkritiken in 140 Zeichen. Seit drei Monaten kommunizieren wir über Telegram. Schreiben wir über Essen, schicken wir gleich ein Foto mit. Oft schicke ich auch nur ein Foto. Ohne Text. Letzte Woche zum Beispiel, als ich meiner Schwester um 18:11 Uhr ein Foto von dem in meinen Augen besonders gelungenen vegetarischen Ragu Bolognese schickte. „Mhhhhhhhhhmmm“ kommentiert meine Schwester um 19:13 Uhr. „Ich glaube, ich habe jetzt herausgefunden, wie man das beste vegetarische ragu bolognese macht“ schreibe ich ihr um 19:21 Uhr. Das weckt ihr Interesse, denn bereits um 19:22 Uhr fragt sie „Ahhhhjaaaaa???!???“, gefolgt von einem drängenden „Wie???“ um 19:23 Uhr. Um 19:44 Uhr musste ich ihr gestehen, dass ich den Vorgang nicht schriftlich transkribieren konnte „Ich muss dir das mal demonstrieren. Das Geheimnis ist anscheinend der mix von gemüsebrühe, in wasser gelöstem tomatenmark, tomaten und Rotwein.“ Wir diskutieren noch bis 20:39 über die Form des Bolognese-Ersatzes, ich schlug Linsen vor, sie Sojageschnetzeltes, dann musste ich los, weil ich mit Freunden in der Kneipe verabredet war. Dort teilte ich mir einen Teller voller Fettbemmen mit sauren Gurken mit einer Freundin.

Wir schreiben über Essen, damit wir nicht über andere Dinge schreiben müssen. Es das Teilen eines Alltags, den wir 650km entfernt voneinander leben. Es sind Mahlzeiten, die ich gerne mit meiner Schwester teilen würde, aber nicht kann, weil noch niemand eine Messanger-App erfunden hat, mit der ich Wontons im Bruchteil eines Wimpernschlags nach Freiburg schicken kann, damit sie davon kosten kann.


 
Gelesen
1.  Diese Story über einen niederländischen Gangster ist epischer als "Der Pate" und dazu noch wahr. Ich habe die halbe Zeit den Kopf geschüttelt, weil Holland, das ist doch Tulpen, Pommes und Tüte rauchen. Außerdem war mir nicht bewusst, dass die Heineken Familie real ist und keine Erfindung wie der Weihnachtsmann: "On November 9, 1983, Freddy Heineken was leaving his office in Amsterdam when an orange minivan pulled up beside him. Several masked men shoved him and his chauffeur into the vehicle at gunpoint. The minivan careered along a bicycle path and headed to a warehouse on the edge of the city. Heineken and the chauffeur were thrust into a pair of soundproofed cells. "

2. Dieser Comic mit dem Titel "Du hättest doch nur einmal fragen müssen" fasst die Vereinbarkeit von Familie, Hausarbeit und Beruf ziemlich gut zusammen. Über diese "unsichtbare" Arbeit wird selten gesprochen und noch seltener wird sie als das, was sie ist, honoriert.

3. Der Begriff "Pick-Up-Artist" wird vielen ein Begriff sein, also Männer die mit extrem fragwürdigen Methoden Frauen aufreißen. Dieser Artikel zieht interessante Parallelen zwischen Neoliberalismus, rechten Verschwörungstheorien und dem Aufreißertum der sogenannten "Artists": "Die jungen Männer, die sich an Pickup wenden, fühlen sich häufig enttäuscht und gedemütigt – von der Gesellschaft, der Moderne, vor allem aber von Frauen. Zuweilen mischt sich unter den Frust eine gehörige Portion Verschwörungstheorie: Frauen seien dabei, ein Matriarchat zu errichten. Nur ihr geheimer Wunsch nach Unterwerfung bremse ihre Herrschsucht. Trotz Emanzipation verfallen sie, so der Pickup-Mythos, in die ihnen vorbestimmte Rolle. Eigentlich bevorzugten sie Alpha-Männer, da sie selbst unter der Erosion klarer Rollenverteilung und dem Aufbrechen der Heteronormativität litten."

Entdeckt

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xoxo, Marla

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