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mitderstadtreden.at
Initiative für eine freie Wiener Musikszene
Newsletter XXXIII
I. Nächster Jour fixe am Montag, 01.03.2021, online
II. Update Kultursommer
III. Bericht vom Jour fixe 08.02.2021
I. Nächster Jour fixe am Montag, 01.03.2021 um 17:30 Uhr, online
Bitte um Anmeldung per Mail an office@musicaustria.at
Tagesordnung:
  • Neues von den IGs?
  • Kultursommer: Wie geht es weiter?

II. Update Kultursommer

Wir befinden uns im Jahr 2021 nach Christus. Nächste Woche werden von der Stadt Wien die Infos zum Kultursommer veröffentlicht. Ganz Wien ist glücklich. Ganz Wien? Nein! Eine kleine Gruppe von unbeugsamen Musiker*innen und Künstler*innen kann nicht aufhören, sich ihre eigenen Gedanken dazu zu machen. Das Leben ist nicht leicht für die Stadtregierung; am 4.3. trifft sich eine Delegation von mitderstadtreden gemeinsam mit der Wiener Perspektive mit Arne Forke, um über folgende Dinge zu reden:

Nachdem im Winter und Frühjahr alle Live-Veranstaltungen ausgefallen sind, bietet sich die Möglichkeit, im Sommer auf den Freiflächen der Stadt Wien Musik, Theater und Performance gesundheitlich unbedenklich zu erleben (für das Publikum), bzw. zu guten Gagen aufzutreten und endlich wieder live zu spielen (für die Künstler*innen). Für die Wiener Stadtregierung gleichzeitig eine gute Gelegenheit, schön die Werbetrommel zu rühren und das bürger- und kulturfreundliche Image zu pflegen.
Der Kultursommer geht 2021 in die 2. Ausgabe, abermals nicht von langer Hand geplant und ohne eine Evaluierung des Vorjahres-Festivals, sondern vom Bürgermeisterbüro anberaumt und im Lauf weniger Monate programmiert: als ein Festival, das nicht mit den Aktiven des Wiener Kulturlebens gemeinsam geplant und durchgeführt wird, sondern von der Stadt mithilfe eines bewährten Schemas (Donauinselfest, Popfest etc) auf die Eventbühnen gestellt wird.
Wenn in Corona-Zeiten mit mehreren Millionen Euro ein Festival mit dem Wort „Kultur“ im Namen programmiert wird, dann sollte dieses Festival nicht nur der Unterhaltung der Wiener Bevölkerung und der Eigenwerbung der Stadtregierung dienen, sondern realisieren was es verspricht: eine Darstellung, was in Wien so los ist mit der „Kultur“.
Veronica Kaup-Hasler hat gezeigt, dass sie an Gesprächen mit den Wiener Kulturschaffenden interessiert ist. In zwei Symposien wurden Bedürfnisse und Missstände zur Sprache gebracht und dringend notwendige Maßnahmen für die Zukunft definiert. Diese Gesprächsbereitschaft hat sich leider nicht fortgesetzt, als es um den Kultursommer ging.

Was tun die Wiener Künstler*innen und Kulturschaffenden?  Was brauchen sie im Sommer 2021, nachdem sie über ein Jahr lang nicht auftreten konnten? Was tun sie ohne Zukunftsperspektive und ohne Möglichkeit, die Arbeiten, die sie unter Corona-Bedingungen geschaffen haben, zu zeigen?
Es reicht nicht, in der gegenwärtigen Situation einmal mehr ein Großevent aus dem Boden zu stampfen.
Es reicht nicht, der Vielfalt und Komplexität der Wiener Szenen ein Veranstaltungskonzept überzustülpen, das einem sehr eng gefassten Bild entspricht, was Kunst – Musik, Theater, Performance – ist und kann, und Bedingungen zu stellen, die den Zugang zum Kultursommer für viele Projekte unmöglich machen: kleine Ensembles, wenig Zeit- und Personalaufwand, möglichst einheitliches Setup.
Es reicht auch nicht, EUR 300/500 für einen kurzen/langen Auftritt zu bezahlen, wenn wichtige Grundvoraussetzungen für eine gelungene Vorstellung nicht gegeben sind: professioneller Soundcheck, ein sicherer Backstage-Bereich, genügend Zeit zum Auf- und Abbau etc.

Wir sind überzeugt davon, dass es möglich ist, den eingeschlagenen Weg der Kommunikation zwischen Stadt und Künstler*innen fortzusetzen und auf andere Bereiche der Kulturpolitik auszuweiten. Es ist uns klar, dass unsere Wünsche, Vorstellungen, Forderungen viel zu spät kommen, dass man sie in die Planung nicht mehr einbeziehen kann. Aber das Problem ist ja: 1. wir wurden nicht gefragt, und 2. wir haben es leider zu spät gemerkt, dass da wieder ein Kultursommer auf uns zukommt. Nun werden wir also vor vollendete Tatsachen gestellt und sehen dem abgefahrenen Zug von hinten zu.

Was wollen wir?

  • Vor allem wollen wir gefragt werden.
Wir als Kulturschaffende brauchen maßgeschneiderte Förderung - denn nur Förderungen, die auf die Bedürfnisse der zu Fördernden abgestimmt sind, sind tatsächlich Förderungen, die ankommen. Alles andere sind Ausgaben, mit der die Stadt einkauft und lenkt, aber nicht fördert. Wir wollen arbeiten, wir wissen, was wir tun und wie wir es in Szene setzen können. Wir gehen mit offenen Augen und Ohren durch die Stadt und sehen und hören dort anderes als die Eventplaner*innen der Stadt. Eine „Eventbühne“ ist nicht immer die beste Lösung, weil innovative Formate oft nach einer differenzierteren, spezifischen Art der Präsentation verlangen.
  • Kooperationen mit Orten / Räumen der freien Szene,
die über Ausssenräume (Freiflächen) Innenhöfe oder Schanigärten verfügen oder angrenzen.
Vorteile:
- der Innenraum ist als Backstage für Künstler*innen nutzbar
- ein sicherer Lageraum für teure Instrumente / Technik vorhanden
- vorhandene personelle und technische Infrastruktur wird genutzt und unterstützt
- professionelles Know-How im Kulturbereich wird erhalten
  • Kooperationen mit Kollektiven/Reihen/Veranstalter*innen
Organisationsstrukturen und Netzwerke sind zu nutzen. Festivals, die Corona-bedingt ausfallen mussten bzw. wieder in Gefahr sind, könnte man als Festival im Festival beim Kultursommer mitveranstalten, ungespielte Projekte im Sommer nachholen. Doppelförderungen sind kein Argument. Das lässt sich regeln, wenn man nur will; man kann differenzieren, ob jemand gefördert wurde oder nicht.
  • gezielte Auswahl der Orte
ruhige Orte ermöglichen Veranstaltungen mit geringer Lautstärke, das hat viele Vorteile:
- dadurch können ohne teure technische Aufbauten auch große Flächen bespielt werden
- weniger Anrainerprobleme
- flexibe Nutzungsmöglichkeiten für alternative Formate (—> performative Arbeiten, Soundart)
  • Alternative Formen
zB Schaufensterausstellungen, Funkkopfhörerkonzerte, Soundinstallationen und vieles mehr. Experimentelle Projekte, die die vom Kultursommer propagierte Niederschwelligkeit einmal nicht als Vereinfachung der künstlerischen Mittel, sondern als Einladung zu Abenteuer und Risiko umsetzen und die Wahrnehmung der Realität bereichern und erweitern.
  • Genehmigungen
für Performances im Freien (zB in Parks, auf Plätzen, in verkehrsberuhigte Zonen) sollten von der Stadt bereitwillig erteilt werden. Es gibt viel Potenzial und Ideen zu ungewöhnlichen Aufführungsorten.
  • Ganz normale Arbeitsbedingungen, wie sie bei professionellen Konzerten/Festivals üblich sind

das bedeutet:
- längere Slots, genügend Zeit für Soundcheck und Auf-und Abbau
- geschützter Backstage-Bereich
- Verkaufsstände für Tonträger und andere Produkte ermöglichen
Dies zeugt von Respekt und Wertschätzung gegenüber den Künstler*innen und ihrer Arbeit.
Am 4.3. trifft sich eine Delegation von mitderstadtreden gemeinsam mit der Wiener Perspektive mit Arne Forke, um mit ihm darüber zu reden, wie wir diese Vorstellungen in den Kultursommer integrieren können.

III. Bericht vom Jour fixe 08.02.2021

Über Zoom anwesend: Doris Weberberger, Elisabeth Flunger, Pia Palme, Christine Schörkhuber (Moderation), Helge Hinteregger, Arnold Haberl, Golnar Shahyar, Martina Reiter, Claudia Bosse (Wiener Perspektive


Tagesordnung:

  • Ausschreibung Footprints
  • Neuigkeiten von den IGs
  • Wiener Perspektive: Festival der ungezeigten und ungehörten Arbeiten der freien Szene 2021 anstatt des „Kultursommers“
Ausschreibung Footprints
Call für Agent*innen (der Künstler*innencall kommt im Juli)
Stil: Jazz, improvisierte Musik, experimentelle Musik, neue Musik
keine Altersbeschränkungen
2 Ebenen: 1. Vermittler*innen, die als "Agent*innen" arbeiten, und 2. Künstler*innen. 
Man bewirbt sich mit einer Biografie, zeigt was man tut. 
Die Agent*innen organisieren für die Künstler*innen eine Tournee mit 10 Auftritten. Honorar der Agent*innen liegt bei 5.000€, die Künstler*innen werden für die Tournee bezahlt.

Neuigkeiten von den IGs
Die IGFM arbeitet im Moment an der Struktur. Wie kann man noch klarer definieren, wofür wir stehen?
Bundesländerteams wurden gegründet, die mit den Kulturpolitiker*innen Kontakt aufnehmen werden. IGFM hat ein Treffen mit den ÖHs/Student*innen Vertretungen österreichweit geplant.
Johannes Stöckler + Martina Reiter haben am 19.2. einen Termin bei Staatssekretärin Andrea Mayer, später mit den Neos. Bei der Generalversammlung ÖMR sind sie als Auskunftspersonen integriert. Weiters wird stetig an der Vernetzung mit anderen IG’s und Kultureinrichtungen gearbeitet. Die IGFM hat sich zum Ziel gesetzt, die Situation der freien Musikschaffenden langfristig zu verbessern, wohl aus diesem Grund findet man uns weniger im aktionistischem Feld.

Wiener Perspektive: Festival der ungezeigten und ungehörten Arbeiten der freien Szene 2021 anstatt des „Kultursommers“

Claudia Bosse:
Kritik am Kultursommer:
- die Orte, an denen der Kultursommer stattfand, haben mit dem Kontext der freien Szene nicht viel zu tun.
- zudem waren die Settings für Theater/Tanz/Performance zum größten Teil nicht geeignet.
- bestehende Infrastrukturen (Orte, Mitarbeiter*innen, Techniker*innen, Organisator*innen) wurden nicht einbezogen
- die Gesamförderung für den Kultursommer betrug (je nach Informationsquelle) zwischen EUR 4,3 und 4,5 Millionen. Geteilt durch 2000 Künstler*innen macht das EUR 2.150-2.250 pro Künstler*in. Die Gagen betrugen EUR 300 für 30 Minuten und EUR 500 für eine Stunde pro Künstler*in. Das ergibt kein nachhaltiges Bild. Viel zu viel Geld ist in die Infrastruktur geflossen, ein*e freie*r Veranstalter*in hätte mit demselben Geld eine viel höhere Gage zahlen können. Kein*e Fördernehmer*in dürfte sich erlauben, so zu arbeiten.
- ein wichtiger Kritikpunkt ist die Tatsache, dass die Honorare des Kultursommers von der Stadt als ein wesentlicher Fortschritt in der Realisation von Fair Pay dargestellt werden, aber nicht ausreichend waren, um eine Produktion fertigzustellen und zu zeigen. Sie reichten nur aus, um eine (kleine) schon fertige Produktion auf eine Bühne zu stellen. Es geht darum, der Szene das Arbeiten zu ermöglichen und ihre Arbeiten im künstlerischen Kontext zu zeigen. Der Stau der nichtpräsentierten Arbeit muss ernst genommen werden. Auch im Bereich der Projektförderungen ist Fair Pay nicht realisiert. Die Anzahl der Subventionierten wurde im Theaterbereich gekürzt, um das Minimum zu bezahlen.
 
noid: Auch für Musik waren die Settings sehr limitierend: eine Bühne, die 1 m hoch ist, 8-15qm Platz auf der Bühne, eine Tonanlage für ein Pop-Konzert, kurze Timeslots. Ein Nachmittag Praterwiese kostet so viel wie ein halbes Jahr Blöder Mittwoch. Aber wenn wir sagen: wir wollen Fair Pay wie der Kultursommer, dann heißt es, das ist zu viel. 
 
Golnar Shahyar: wurde von Mira Lu Kovacs, die eine der Kurator*innen des Kultursommers war, hinzugezogen und war für die Sparte „Weltmusik“ zuständig. Es gab verschiedene Kurator*innen mit unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen. Da die Planungen spät begonnen haben, musste alles sehr schnell gehen. Das Booking war sehr limitierend: zb die Einschränkung 2-3 Personen pro Band. Chöre wurden nicht bezahlt, sie werden nicht als ernstzunehmende Musiker*innen behandelt. Dieses Jahr kann und muss man das umfassender angehen. Die Jury für 2021 (wieder ungefähr die geichen Leute wie 2020) fordert das, aber es wäre wichtig, dass es Druck von der freien Szene gibt. 
 
Martina Reiter: viele Musiker*innen, die fertige Programme haben, waren sehr froh über die Möglichkeit aufzutreten und auch über das Honorar. Da wurde der Kultursommer sehr positiv aufgenommen. Allerdings ist der Wunsch/die Forderung, dass die freie Szene in die Planung mehr eingebunden werden soll, absolut berechtigt, auch die Forderung, dass die vorhandenen Orte der freien Szene miteinbezogen werden sollte, ist wichtig.

Claudia Bosse: Am 11.2. gibt es ein Treffen der Wiener Perspektive mit der Stadt (Arne Forke und Robert Dressler).
Forderungen:
- Der Stau der nichtpräsentierten Arbeit muss ernst genommen werden. Es muss möglich sein, nicht aufgeführte Arbeiten beim Kultursommer fertigzustellen und zu zeigen.
- Die Infrastruktur der freien Szene muss in die Planung einbezogen werden. Das würde nicht nur die Szene unterstützen, sondern auch das Budget des Kultursommers sinnvoller nutzen.
- Der Kultursommer muss auch an Orten stattfinden, die die freie Szene repräsentieren.
- Wir wollen mitentscheiden, wie u in welchen Strukturen dieses Geld verwendet wird. 
 
Abstimmung: Will die Initiative mitderstadtreden diese Anliegen der Wiener Perspektive unterstützen? In der Abstimmung ergibt sich, dass alle anwesenden Teilnehmer*innen von mitderstadtreden dafür sind.
 
Auch die IGFT und IG-Kultur Wien sollen eingebunden werden. Ob jemand von mdsr bei dem Termin dabei sein kann, wird geprüft.
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