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Neues schaffen

September 2019

Lassen Sie uns über Nudeln sprechen
Lieber Leser,
liebe Leserin,


zur Vorbereitung auf diesen Newsletter fragte ich auf Twitter, ob es spezielle Themenwünsche gebe. 
Ich antwortete: 
Reden wir also über Nudeln. Darüber, was gute Nudelrezepte ausmacht und was sie mit unternehmerischer Entwicklung zu tun haben. 
Gute Pasta und schlaue Prozesse 
Wenn ich neue Nudelrezepte ausprobiere, halte ich mich streng ans Rezept. Schließlich weiß ich nicht, was herauskommen wird; ich habe nur eine Ahnung, dass es lecker sein könnte.

Koche ich das Rezept mehrmals, bekomme ich ein Gefühl dafür, wie es mir noch besser schmecken könnte: Ich nehme andere Gewürze, variiere beim Gemüse oder bei der Pastasorte. Wie jeder Mensch, der öfters kocht, habe ich ein Repertoire an Gerichten, die ich aus dem Stegreif kann; die ich irgendwann mal gelernt und dann angepasst und weiterentwickelt habe.


Der Weg zur Meisterschaft

Was ich gerade beschrieben habe, ist das Prinzip des Shuhari, einem Konzept aus der japanischen Kampfkunst. Die erste Stufe des Lernens, das Shu, ist das strikte Befolgen der Regeln, wie sie im Lehrbuch stehen. Die zweite Stufe, das Ha, beschreibt die Anpassung der Regeln: Wir variieren das Gelernte. Die dritte Stufe, das Ri, ist die Meisterschaft: Der Schüler, die Schülerin geht eigene Wege fern der Tradition. Shuhari bedeutet auch: der Weg zur Meisterschaft.


Das Shuhari der Unternehmensentwicklung

Wenn ein Unternehmen neue Wege geht, tut es gut daran, zunächst die Grundlagen des Neuen zu durchdringen. Egal, ob es sich bei dem Neuen um eine neue Technologie, um handwerkliche Fertigkeiten, um Methoden wie Prince2Scrum, KanbanDesign Thinking oder um andere Werkzeuge handelt: Zunächst müssen wir verstehen, was wir tun, und das Tun selbst erleben.

Die Philosophie des Shuhari besagt: Man kann erst frei sein, eine Kunst zu verändern, wenn man sich in der Lehrzeit ihren Regeln und Auswirkungen unterworfen hat. 
Nur dann erkennen wir die Prinzipien, die bei der Anwendung greifen, und die Werte, die der Methodik zugrunde liegen. Haben wir diese verinnerlicht, können wir auf der Basis der Werte und Prinzipien neue Vorgehensmodelle entwickeln. 

Die Intelligenz des Prozesses und der Menschen

Wenn ich in ein Unternehmen gehe, bringe ich meine Wertvorstellungen und die meiner Methoden mit und trage sie in die Organisation.

Oft geht es bei meiner Arbeit um Prozesse. Bei Prozessen gibt es immer eine wichtige Frage: Muss die Intelligenz der Organisation im Prozess stecken - oder in den Menschen?
  • Intelligente Prozesse brauchen wir, wenn Dinge kompliziert sind. Dass etwas kompliziert ist, erkennen wir daran, dass wir nicht wissen, wie es funktioniert; wir können uns das Wissen aber aneignen. Je komplizierter etwas ist, desto besser und kleinteiliger muss die Anleitung, muss das Rezept sein. Ist das Rezept gut, kriegt auch der Untalentierteste von uns ein brauchbares Ergebnis zustande. Die Intelligenz steckt im Rezept, im Prozess. 
  • Sind Dinge jedoch komplex, behindern uns starre Prozesse. Dann braucht es intelligente Menschen. Komplexität erkennen wir an der Anzahl der Überraschungen, die uns ereilen. Bei Komplexität helfen uns keine Rezepte und keine Anleitungen, weil die Ereignisse, mit denen wir konfrontiert sind, immer anders sind, aus unterschiedlichen Richtungen kommen und keiner festen Regel folgen. 
Wenn Sie Methodiken in Ihrem Unternehmen einführen möchten, sollten Sie sich also zuerst fragen, ob Sie es mit einer komplizierten oder mit einer komplexen Fragestellung zu tun haben - und dann sorgfältig eine Methode wählen.

Falls Dinge immer gleich passieren, brauchen Sie einen schlauen Prozess - wie in der Systemgastronomie, in der Menschen gute Nudeln kochen, obwohl sie gar nicht kochen können.

Falls Sie in Ihrem Business allerdings immer wieder Überraschungen erleben, falls Sie stetig neue Herausforderungen haben, brauchen Sie intelligente Menschen. Menschen, die viele Methoden kennen und die diese Methoden variieren können, um clever mit Überraschungen umzugehen. 


Zum Schluss: ein Nudelrezept

Falls Sie jetzt Hunger auf Nudeln haben, probieren Sie mal Penne Rigate Lucinda, Nudeln in Majoransahne. Wunderbar unkompliziert und leicht besonders. 
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Herbst - mit vielen interessanten Begegnungen. Wir lesen uns spätestens Ende Oktober wieder!

Ihre
Vanessa Giese
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